876 XXIII. Erdmessung und Erdphysik in der zweiten Hälfte deS Jahrhunderts.
Daten hinsichtlich der geographischen Verbreitung der Erdschwere.Einige Angaben über letzteren Gegenstand dürfen an dieser Stellenicht fehlen.
Den großen Reisen Sabines, H. Fosters, L. I. Duperreys,welche hauptsächlich diesen Zweck verfolgten, ist etwas Gleiches inder zweiten Jahrhunderthälfte allerdings nicht an die Seite zustellen, aber die konsequent durchgeführten Beobachtungen vonE. Plantamour (1815—1882), C. A. F. und C. F. W. Peters,Helmert u. a. haben uns doch mit einer Fülle wichtigen Mate-rielles bekannt gemacht. Umfängliche Reihen ergaben die seit 1865im Gange befindlichen vorderindischen Messungen von I. P. Ba-sevi (1832 — 1871) und O. Heaviside (geb. 1850), der sichersterem später anschloß. Gemeiniglich bediente man sich desKaterschen Reversionspendels (Abschnitt VI), dem I. Finger(geb. 1841) im Jahre 1881 das Kommutationspendel sub-stituierte. Mit besonderem Fleiße kultivierten die letzten Jahre dierelativen Schwerebestimmungen an der Hand des SterneckschenApparates. So sind solche auf dem Montblanc , in Pulkowa, inKopenhagen, auf der Insel Bornholm , ganz besonders aber imBereiche der Alpen vorgenommen, wo I. Messerschmitt namentlichdie Schweiz ins Auge faßte, während Helmert und v. Stern eckein Schwereprofil von Nord nach Süd qner dnrch die TirolerBerge legten. Es fand sich, daß dem Flachlande Süddentschlandsund Oberitaliens , wie letzteres schon weit früher (Abschnitt VI)wahrgenommen worden war, ein Schwereüberschuß, dem eigent-lichen Hochgebirge hingegen ein Schweredefekt entspricht, so daßman wohl annehmen muß, es lügen hier entweder in größererTiefe Massen von sehr geringer Dichte verborgen, oder es seibeim Gebirgsfaltnngsakte gleichzeitig ein ausgedehnter Hohl-raum entstanden. Auch amerikanische Beobachter haben solcheigentümliche Schwerevariationen in den Rocky Monntains kon-statiert.
Mit diesen Anomalien der Gravitationsverteilunghängen auch die bei einzelnen Erderhebungen nachgewiesenen Lot-ablenkungen und Lotabstoßungen zusammen. Das negativeVerhalten des doch gewiß eine ungeheure Steinmasse darstellenden