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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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886
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886 XXIII. Erdmessung und Erdphysik in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

geoidischen Gestalt der Erdoberfläche Abstand nehmeil; wie man ge-gebenenfalls derselben Rechnung zn tragen habe, lehrten v. Schmidtund Hammer (Zur Abbildung des Erdellipsoides", Stuttgart 1891). Für die Wiedergabe der Böschungsverhältnisse ist nochimmer, zusammen mit der nach A. Steinhauser (18021890)um 1770 zuerst auftauchenden Darstellung der Isohypsen oderNiveaukurven, des knrsächsischen Jngenieurofsiziers I. G. Leh-mann (17651811) Schraffenmethode von 1799 im Gebrauche;der plastische Eindruck wird mustergiltig erreicht durch die schiefeBeleuchtung, welche G. H. Dufour (17871875), der auch alsHeerführer berühmte General, bei seiner Herstellung der großenSchweizerkarte (von 1842 au) zur Geltung brachte. Das Prinzipder farbigen Höhenzonen hat besonders unter den österreichischenMilitärtopvgraphen, deren Zwecken das bekannte, hoch verdienteKartographische Institut in Wien dient, Anhänger gefunden, wiedie Namen F. v. Hauslab (17981883), V. v. Streffleur (1808bis 1870), K. A. v. Sonklar (18161885) bezeugen. Der theore-tischen Seite der kartistischeu Farbengebung hat in jüngster ZeitK. Pencker neue Gesichtspunkte abzugewiuuen getrachtet.

Mit der Lehre von der graphischen Nachbildung der Boden-fvrmen flehen in enger Beziehung jene topographisch-morpho-metrischen Untersuchuugeu, deneu ebenfalls die Aufgabe vor-gezeichuet ist, regellos erscheinende Ranmformen approxi-mativ der Messung zu unterwerfen. Über die Natur vonWasserscheiden und Flußbetten haben so P. E. Bretonde Champ (1814 1885), C. Jordan nnd I. Bonssinesq(AbschnittXV) gehandelt; mathematische Formeln für die mittlereBöschung besitzt man von S. Finsterwalder (1890). Einenernsten Versnch, Mitteltiefen von Meeren und Mittelhöhenvon Kontinenten auszurechnen, wagte als der erste A. V.Hum-boldt (1842), und dieser Versnch der Begründung einer ster^o-meirischen Geognosie hat viele Nachfolger gefuudeu, unterdenen besonders v. Sonklar (Allgemeine Orographie", Wien 1872), Penck, F. Heiderich und Peucker für das Festland,O. Krümmel, G.v.Boguslawski (Abschnitt XIII) und H.Karstensfür die Ozeane angeführt werden sollen. Die umfassende Revision