Knrtenprojektionen,
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feinen Zweifel; für die Schnlatlanten eröffneten H. Wagnernnd K. Peucker neue Wege. Bei der Herstellung der Karte istwohl zu unterscheiden zwischen dem rein geometrischen und demgraphisch-ästhetischen Teile der Arbeit; ersterer fällt unter dieKartenprojektions- oder Netzentwurfs lehre, während derzweite mit der Terrain- oder SituationsZeichnung identischist. Die erstgenannte Disziplin, ein erst in neuerer Zeit nachseiner ganzen Bedeutung erfaßtes Grenzgebiet der Mathematiknnd allgemeinen Erdkunde, hat sich gänzlich aus dem lange Zeitherrschenden Stande einer unsystematischen Sammlung von Kunst-griffen erhoben, denn N. N. Tissot (geb. 1824) entwickelte, aufeine ältere Arbeit von 1861 gestützt, in den Jahren 1878 bis 1880eine neue Theorie der Abbildung einer geometrischen Flücheauf einer anderen nnd zeigte, indem er für Längen-, Winkel-nnd Flüchenverzerrung allgemeine Ausdrücke aufstellte, wie manfür eine beliebige neue Entwurfsart deren geometrischen Charakterin völlig einwandfreier Weise fixieren kann. Es wird sofort klar,ob eine Projektion üqnidistant, konform, äquivalent ist;F. A. Breusing (1818 — 1892) hat diese Bezeichnungen insDeutsche übertragen nnd spricht („Das Verebnen der Kugeloberfläche für Gradnetzentwürfe", Leipzig 1892) von längentreuen,winkeltreuen und flächentreuen Abbildungen. Tissots Melhoden sind durch K. Zoeppritz uud E. Hammer (Abschnitt XXII)auch iu Deutschland heimisch gemacht worden, und auch sonst ver-breiteten sich Hammers Arbeiten seit etwa fünfzehn Jahren überalle Zweige der Kartendarstellung. Das znr ersten Einführungvorzüglich erweiterte Werkcheu vou Zoeppritz (Leipzig 1884) gab1900 A. Blndau, der sich auch in der Ersinnung ueuer Ab-bildungsarten bethätigte, wesentlich erweitert neu heraus. Jtalieukonnte sich in M. Fiorini (1827—1901) einer Kraft ersten Rangesauf' diesem Gebiete rühmen; seine „?r0^s?ioni äslls oarts Aso-grallolrs" (Bologna 1881) sind ein Meisterwerk, nnd nicht minderhaben seine 1894 veröffentlichteil Untersuchungen über die richtigsteManier, die zum Überzüge von Globen bestimmten Streifenzu konstruieren, allseitig Anklang gefunden. In der sehr großenMehrzahl der Fälle darf die Projektionslehre vou der sphäroidisch-