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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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888
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888 XXIII. Erdmessung und ErdphiM in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

schon in geringer Tiefe fühlbar zu werden auf. Die Grenzliniedes Eisbodens bestimmte H. Fritz (Abschnitt XIV); nachdem von1893 an W. M. Sergejew Bodenbeobachtungen längs der Tra?eder sibirischen Pazifikbahn angestellt hat, deren Ergebnisse 1899F. Jmmanuel in Deutschland verbreitete, steht sest, daß in ganzTrausbaikalien, mag auch die Polhöhe eine ziemlich niedrige sein,eine Bodenlage zwischen 3,23 und 9,28 in Tiefe niemals anstaut.Jenseits der sogenannten neutralen Fläche aber beginnt sich aus-schließlich die innere Erd wärme fühlbar zu machen, von der nachF. Henrichs Untersuchungen (1876), die sich an die TemperaturMessungen im Spereuberger Bohrloche anlehnen, anzunehmenist, daß sie in der einfachen Formel (a -j- dt) s, nnd l> kon-stante Größen, t, Tiefe ihr Fortschreituugsgesetz siudet. DurchStapff, I. A. Church (geb. 1843), Prestwich, Köbrich,Hotten roth und am meisten durch W. B. R. H. v. Dunker(18091885) sind wir in Besitz eines gewaltigen Zahleumaterialesgelangt; sehr merkwürdige, teilweise von der Negel abweichendeDaten ergab die nach dem Mineningcuieur Th. B. Comstvck(geb. 1849) benannte Silbergrube im westlichen Nordamerika . Ausden über den geo thermischen Gradienten gefundenen Wertenmuß geschlossen werdeu: Ju deu zentralen Partien der Erd-kugel waltet eine Hitze ob, welche alle im Bereiche mensch-licher Erfahrung liegenden Grade ungeheuer übersteigt.Über den Druck iu den äußeren Rindeuteilen liegen, wie bemerkt,die Studien von Helinert und Weihrauch vor, und die Druck-verhältnisse des Inneren suchte 1882 A. I. F. Seydler (1849bis 1891) aufzukläreu. Freilich legte er die Voraussetzung einerstarren Kugel zu Grunde, und ob unser Planet als eine solcheaufgefaßt werden darf, ist zur Zeit noch eine offene Frage.

Es ist auf Gruud der freilich nicht durchaus einwurfsfreieuErgebnisse, welche die Berechuung der Prüzession, der Nutatiou undder elastischen Beanspruchung der Erdfeste durch die Anziehungvon Sonne und Mond lieferte, behauptet worden, die Erde könnean Unnachgiebigkeit nur mit Stahl oder gar mit Glas ver-gliche« werden. Hopkins, W. Thomson , G. H. Darwin,I. G. Barnard (18151882) halten an dieser Überzeugung fest,