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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Hypothesen über den inneren Erdzustand.

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und auch Schiaparellis Adaptionslehre bekräftigt dieselbe. In-dessen ist damit wohl zu vereinbaren die zumal durch A. Ritterund Zveppritz (1881) vertretene nnd neuerdings von vielen Fach-männern Penck, Reyer, I. N. Woldrich u. a. mit neuenGründen belegte Ansicht, daß im Erdinneren alle denkbarenAggregatzustände in stetiger Aufeinanderfolge vertretenseien; damit würde sich auch Wiecherts Bestimmung für dieDichte der zentralen Partien vereinbaren lassen. Ein nicht kleinerHohlraum um deu Mittelpunkt herum würde dann nämlich, wieschon B. Franklin uud Lichtenberg (AbschnittVI) ahnten, nndwie H. Spencer (geb. 1820) es neuerdings wieder wahrscheinlichzu machen gesucht hatte, als mit Gasen im überkritischenZustande, wo nicht als mit einem Urgase von einatomigerBeschaffenheit angefüllt gedacht werden müssen, und dem ge-waltigen Drucke dieser nach Individualisierung strebenden Gas-masse würde eine namhafte Dichte entsprechen. Ganz unvereinbaraber würde mit Wiecherts u. a. Ermittlungen die namentlich inEngland verbreitete und in O. Fishers (geb. 1817) sonst muster-giltig klar gearbeiteter?ri^sics ok tllk Dartlls Lru8t" (2. Auflage,Londvn-Newyork 1889) systematisch dargelegte Hypothese sein, das;jenseits einer dünnen Felsrinde ein magmatisches Glut-meer die Erde erfülle so etwa, wie dies auch die unglück-liche Lehre Falbs verlangt. Wie man darüber auch denkeu möge,so viel ist experimcntell nußer Zweifel gestellt, daß die Erstarrungdes terrestrischen Gasballes nicht vom Mittelpunkte aus, sondernallein von der Oberfläche beginnen und nach innen fortschreitenkonnte. Eine treffliche Versuchsreihe von F. Nies (18391895) undA.Winkelmann hat 1881 erwiesen, daß alle Silikate und nahezualle Metalle, weun sie ans feurigem Flusse erstarren, am spezifischenGewichte abnehmen, so daß sie also auf dem Glutbrei schwimmenund nicht in ihm untersinken können. Auch die Beobachtungenanderer Physiker und Mineralogen kommen auf dasselbe hinaus.

Der Erdkörper, dessen gestaltliche und materielle Verhältnisseuns iu diesem Abschnitte bisher beschäftigten, ist auch, wie dies inAbschnitt VI und XIV bereits Gegenstand der Besprechung war, einmagnetisches Magazin, nnd indem die Bewegungen der ein-