Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
895
Einzelbild herunterladen
 

. '

Neuester Standpunkt der Lehre rwm Polarlichte. 895

änderlichkeit des elektrischen Sonnenpotentiales wieder.Die Forschung schreitet auf dem mit Glück betretenen Wege rüstigweiter fort und konzentriert sich mehr und mehr in der einzigen,ausschließlich dem Erdmagnetismus gewidmeten Zeitschrift, welcheA. Bauer in Chicago , unterstützt von deu Fachmännern allerNationen, seit einigeil Jahren herausgiebt.

Mit deu theoretischen Anschauungen über das Wesen dermagnetischen Erdkraft häugt iuuigst zusammen die Auffassung, dieman sich über das Polarlicht zu bilden hat. Unser empirischesWissen von diesem großartigen Phänomene hat dnrch die Beob-achtungen Weyprechts, v. Nordenskiölds, Nansens, Baschinsund vieler anderer beträchtlich zugenommen, und insbesondere istman dnrch W. Böllers Abhandlungen (1898) in den Standgesetzt worden, Nord- nnd Südlicht miteinander vergleichen undnebeil deil selbstverständlichen Übereinstimmungen iu deu großenZügeu auch die kleineren Verschiedenheiten konstatieren zu können,die sich nicht verkennen lassen. Die alte Doktrin, daß die Polar-lichter nichts als Reflexivnsbilder, ein Eisblink großen Maßstabes,seien, hat sich wohl auch ueuerdings uoch gelegentlich A. Wolfert(1874) hervorgewagt, aber ein längeres Daseiu hat sie sich nichtmehr zu erwerben vermocht, vielmehr ist man darüber einig, daßMagnetismus und Elektrizität mit dieser optischen Erscheinungin enge Kausalverbindung gebracht werden müssen. Stets wiederbestätigt wird die Thatsache , daß die äußerlich in die Augen fallendeKonvergenzstelle des strahlenden Nordlichtes, die Korona, in derVerlängerung der Achse der Neigungsnadel gelegen ist; nicht mindersteht fest, daß sich ungemein häusig mit den Polarlichtern zeitlichjene merkwürdigen Unruhezeiten der Nadel, die magnetischenStürme paareu, dereu Entstehung Ad. Schmidt (1899) iu geist-voller Weise den großen Wirbelbewegungen der Atmosphäre zurSeite gestellt hat. Auch das letzte, etwa noch vorhandene Bedenkenschasste die Thatsache aus der Welt, daß es 1883 dem iu derLehre vom Polarlichte einen Ehrenplatz einnehmenden FinländerK. S. Lemström (geb. 1838) gelang, auf dem Berge Oratuuturidurch eiue sinnvolle Blitzableiterkombination einen Lichtschimmer zuerzeugen, der, zwar weitaus schwächer, gleichwohl im Spektroskope