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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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896 XXIII. Erdmessung und Erdphysik in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

die charakteristische Nvrdlichtlinie deutlich hervortreten ließ unddadurch seine wahre Natur zweifellos dokumentierte. S. Tromholt(18511896) hat diese Versuche mit Erfolg wiederholt. In mor-phographischer Hinsicht ist zu erwähnen, daß H. Fritz die Jso-chasmen oder Linien gleicher Polarlichthäufigkeit verzeichnete, daßv. Nordenskiöld die Modalitäten des Auftretens eines Strahlenwerfenden oder eines Draperie-Nordlichtes als von dergeographischen Lage des Beobachtungsortes bedingt nachwies, unddaß in neuester Zeit O. Baschin mit der photographischeuAbbildung des Polarlichtes, an der seiner Lichtschwäche halbergezweifelt worden war, glücklich zustande kam. Die systematischeForschung kann gegenwärtig von zwei sehr verdienstlichen, auch anselbständigen Beiträgen zur Förderung unserer Erkenntnis nichtarmen Kompendien ausgehen, welche Fritz (Das Polarlicht ",Leipzig 1881) und Lemström (I/g.aroi-6 dorsals, stucle ^vrisralscles p^suomönss pracluits par les courci-icks slsotriczues 6e 1'atmos-xliörs", Paris 1886) geschrieben haben.

Da die älteren Hypothesen, welche die Polarlichter im SinneRob. Mayers und A. A. De laNives als eine der Reibungs-elektrizität zuzuweisende Erscheinung definierten, kaum mehrernsthast in Frage kommen, so stehen sich wesentlich nur noch zweiGruppen von Theorien gegenüber, je nachdem auf den Aus-gleich uugsprozeß oder auf die Bestrahlung besonderer Nach-druck gelegt wird. E. A. G. Wijkander (geb. 1849), E. Hoppe,der die spektroskopische Ähnlichkeit mit dem elektrischen Büschellichtebetonte, Angström, Edlund, Angot n. a. stimmen bei manchsonstiger Verschiedenheit darin überein, daß zwischen den entgegen-gesetzten Elektrizitäten von Luft nnd Erde eine langsame Aus-gleichung stattfinde, die graduell zwar sehr, qualitativ aberkaum vom St. Elmsfeuer und Gewitter abweiche und in demFarbenspiele der stark verdünnten Gase in Geißlerschen Röhrenein Analogvn finde. Die in manchen Punkten gegnerische Stellungvon Lemström, Trowbridge , I. R. Capron (geb. 1829) mißtden Flnoreszenzeigenschaften des Nordlichtes die maßgebendeBedeutung bei, aber auch in diesem Lager wird nicht minder dasKursieren elektrischer Ströme als auslösende Ursache