912 XXIII. Erdmessung und (Zrdphnsik in der zweiten Halste des Jahrhunderts.
Erde heraus, an die sich eine Reihe fleißiger Arbeiten aus der Leip-ziger Schule anschloß. Hildebrandsson und M. Rijkatschew(geb.1840) unterstützten durch die kartographische Wiedergabe gewisserhierauf bezüglicher Nerteilungsverhättnisse Woeikows theoretischeBestrebung. Die als Hilfsdisziplin der Klimatologie nicht znunterschätzende, schon in Abschnitt VI berührte Phänologie fandzwei außerordentlich hingebende Förderer in dem Gießener Vota-niker H. K. H. Hoffmann (1819—1891) und in dessen SchülerE. Jhne (geb. 1859). Ersterer glaubte noch vorzugsweise in derErmittlung der sür jede Pflanzeuart örtlich als konstant betrachtetenTemperatursummen das Heil der jungen Wissenschaft zn finden,wie dies auch, wiewohl mit teilweise weit abweichender Inter-pretation der Grundlagen, K. Linßer (1869) und der DorpaterPhysiker A. I. v. Oettingen (geb. 1836) (1879) gethan hatten;Jhne dagegen, dessen „Instruktion" in den meisten Ländern alsHandweiser für die Beobachtungen der Phasen des Pflanzenlebensgilt, legt das weit höhere Gewicht auf die Kurvendarstellungund damit ans das geographische Moment nnd hat in die ganzeLehre durch seiue phänologischen Jahreszeiten ein ganz neuesFerment hineingetragen. Als hervorragender phänologischer Metho-diker werde auch der fiulündische Chemiker A. Moberg (1813bis 1895) genannt. Eine gewisse Verwandtschaft waltet ob zwischender Phänologie uud der Forstmeteorologie, deren Schöpfer —nnbeschadet einiger Ansätze aus srüherer Zeit — recht eigentlichE. W. Ebermayer durch sein Fundamentalwerk „Die physikalischeEinwirkung des Waldes auf Luft und Boden" (Berlin 1873)geworden ist. H. v. Noerdlinger (geb. 1818), A. Müttrich(geb. 1833), I. Schubert, Lorenz v. Liburnan, Woeikow,E. Brückn er und viele andere trugen dazu bei, daß wir über dieansänglich fast gar nicht gewürdigte, nachher wieder unnatürlichüberschätzte klimatische Bedeutung großer WaldbeständeKlarheit gewonnen haben. Die Quintessenz unseres Wissens bestehtdarin, daß der Wald als Bewahrer der Feuchtigkeit eineAnnäherung des Klimas an den maritimen Charakterbewirkt, nnd danach läßt sich sofort beurteilen, inwieweit Wald-abtreibung eine« Laudstrich dauernd zu schädigen vermag.