Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
913
Einzelbild herunterladen
 

Kliimwerknderungm,

913

Die Konstanz oder Inkonstanz des Klimas ist schon im18. Jahrhundert der Gegenstand retrospektiver Betrachtungen ge-wesen. Dann ging (Abschnitt VI) aus der neuen Lehre von derEiszeit eine stärkere Veranlassung hervor, über die Möglichkeiteiner mehr oder minder energischen Veränderung des Klimasweiter nachzudenken. Viele suchten die Ursache davon, daß nachlangen Zeitabschnitten eine totale Abkühlnng eintrete, in kosmi-schen Vorgängen, und wie dies schon Adhemar angebahnthatte, so wurde von dessen Nachfolgern (Abschnitt X), unter denenJ.H.Schmick, Pilar, R.Ball dessen Hypothese hat K. Haasin einem sinnreichen Modelle veranschanlicht I. Croll (1821 bis1890), Culverwell und Chamberlin besonders hervortraten,alle Möglichkeiten gründlichst in Betracht gezogen, ohne daß jedochirgendwelche Einstimmigkeit bereits zu erzielen gewesen wäre. Diehypothetischen Klimaformen geologischer Zeitalter wurden gleichfallszn erforschen gesucht; M. Neumayr leistete dies namentlich sürdie Jura-, M. Semper für die ältere Tertiärperiode. AlsUntersuchungsmittel mußte natürlich vorwiegend der paläonto-logische Befnnd, vorab bezüglich der Facies (Abschnitt X) dienen,wie denn auch noch für spätere Zeiten tiergeographische Über-legungen den fast einzigen Schlüssel zur Erschließung des Geheim-nisses ehemaliger Land- und Wasserverteilung bieten; W. KobeltsStudien zur Zoogeographie" (Wiesbaden 18971898) verdienensür diesen Zweck besondere Berücksichtigung. Andererseits hat manauch, zumeist indirekte historische Kennzeichen verwertend, dieFrage einer nicht periodischen oder periodischen Veränderungdes Klimas in geschichtlicher Zeit zur Beratung gestellt. Arago,L.Dufour(18321892),Hazen,TH.Fischer,J.Partsch,A.Blytt,I. D. Whitney (18191896) mit seiner reichhaltigen Mono-graphieOliirmtio <?ng.nAss ok lat^r LleoloZio^l limss" (Cambridge Mass. 1882) waren bei diesen lehrreichen Diskussionen beteiligt.Ein sehr brauchbares Kriterium glaubten R. Sieger undE. Brückner in den wechselnden Masse rstünden der Seen zumal der abflußlosen zu sinden, und indem der letztgenannteGeograph, als geborener Balte zum Studium der russischen Quellenbesser denn andere befähigt, namentlich die Verhältnisse des Kas-

Günthcr, Anorganische Naturwissenschaften. 58