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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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924 XXIII. Erdmessung und Erdphysik iu der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Eh. Grad (18421890), D. Dollfus-Ausset (17971870),F. A. Forel, Hagenbach-Bischof, F. Klocke (18471884)und eine große Anzahl anderer Forscher. Die erste moderne, dieÄhnlichkeit der Bewegung von Gletschern und Flüssen treffend her-vorhebende Behandlung des Bewegungsproblemes gab (,?ksori6<ZssAlaeiers äss ^Ixss", Chambery 1843) der gelehrte savoyische BischofL. Rendu (17891858). Eine Zusammenstellung alles dessen,was die Zeit von den Gletschern wußte, ein noch heute sehr brauchbares Buch (Die Gletscher der Jetztzeit", Zürich 1854) gab derPhysiker Mousson, und dreißig Jahre später ging von der gleichenUniversität eine analoge Leistung aus, indem der Geologe A. Heimsein noch jetzt als Lehrnorm anerkanntes, wenngleich natürlich inEinzelheiten überholtesHandbuch der Gletscherkunde", (Stuttgart 1885) verfaßte. Um einige springende Punkte der Gletscherlehrezu betonen, stellen wir eine kurze Nachforschung in der Zeitgeschichtean. Den Hochschnee und Firn, aus dem das eigentliche Glet-schereis seine Nahrung zieht, machten der kühne Hochgebirgs-wanderer Güßfeldt , F. Siiuony, I. Partsch, A. Penck,F. Ratzel, Ed. Richter zum Gegenstande ihrer Forschungen, ausdenen der Gegensatz zwis chen klimatologischer und orographischerSchneegrenze hervorging: die Lawinenbildung behandelte alserster zusammenfassend der eidgenössische Forstmann Coaz (1881):die Thatsache , daß die Kornstrnktnr nicht bloß dem Gletschereise,sondern dem Eise überhaupt eigne, fand R. Emden (1890) auf;über die eigenartige Plastizität gegen Druck und Sprödigkeitgegeu Zug des Gletschereises orientierten Versuche, die H.v.Helm-holtz und Tyndall anstellten; die Gletscherbewegung maß man(Forel, Tyndall ) durch die Ortsverschiebung quer gelegter Stein-reihen oder photogrammetrisch (AbschnittXVI); für dieGletscher-bewegung wurde die Erklärung der Regelation Aneinander-haften gepreßter Eisstücke durch I. Thomson und Faraday (1859) wichtig. Sehr viel darf dieser ganze Teil der Erdphysik hoffenvon S. Finsterwalders neuer, von Hypothesen gänzlich Abstaudnehmender, rein geometrischer Theorie der Gletscherbewegung (1898»,welche iu höchst glücklicher Parallelisierung die für stationäreFlüssigkeitsbewegungen (Abschnitt XV) festgestellten Thatsache,,