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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXIV. Rückblick und Ausblick.

ordentlich viel weiterer Spielraum für die Bethätigung seinerKräfte geschaffen worden ist, so dürfen wir wohl mit voller Be-rechtigung die Behauptung aufstellen: DaS Geschlecht des20. Jahrhunderts ist zum tieseren Eindringen in dieGeheimnisse der Natur unvergleichlich viel besser aus-gerüstet, als es das ihm vorhergehende war. Denn unsereNachfolger können den freiesten Gebrauch von den neuen Hilfs-mitteln machen, welche ihnen das vorhergehende Sükulum zurVerfügung stellte, uud wenn sie mit dem überkommenen Pfundewuchern, werden sehr bald von der Basis der als unveräußer-liches Erbe der Folgezeit überlieferten Erkenntnismittel ans neueErvbernngszüge in das Reich des Unbekannten unternommen werden.Wir wissen es jetzt mit Sicherheit, daß Goethes verpönteHebelund Schranken" eben doch dazu gut sind, der Natur ihre Ge-heimnisse abzuzwingen; uur müssen es eben die richtigen Hebelund die richtigen Schrauben sein.

Freilich, auch die weitest gehende Verfeinerung der Beobach-tn ngs- uud Experimentalmethoden würde nicht ausreichen, großeFortschritte auf der schwierigen Bahn der Erkenntnis zu machen:es muß mit jenen vielmehr die rein theoretische Arbeit, dieinduktiv unausgesetzt neues Erfahruugsmaterial sammelt nnddessen Verhalten zum bisher anerkannte!: Shsteme der Wissenschaftans deduktivem Wege fixiert, stets gleichen Schritt halten.Daß dieser Parallelismus, der nicht fehlen darf, wenn nicht dieWissenschaft der Gefahr, in rohe Empirie oder in abstrnse Ge-dankenschwelgerei zn verfallen, ausgesetzt sein soll, in allen wesent-lichen Punkten während des größten Teiles des abgelaufenenJahrhunderts auch wirklich eingehalten worden ist, wird Der nichtleugneil, der von dem auf den früheren Blättern beschriebenenEntwicklungsgange Einsicht genommen nnd sich dabei überzeugt hat,wie mit kräftigem Rucke die deutsche Forscherwelt sich von denBanden der naturphilosophischen Spekulation befreit und den An-schluß an die anderwärts nicht so lange unterbrochene, normaleBewegung wiedergewonnen hat. Über die leitenden Gesichtspunkteeiner ergebnisreichen Reihe von Dezennien klärt vorzüglich aufein Vortrag, den der geniale Physikochemiker I. H. van t'Hoff