Verfeinerung der menschlichen Sinne,
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hoch liegt. Wie ungemein unser Gesichtssinn durch die Verbesse-rung optischer Instrumente und Methoden gewonnen hat, ist inden vorhcrgehendeu Abschnitten oft genug dargelegt worden. Undder Gehörsinn kann sich auf den Gesichtssinn stützen, seit be-sonders Th. Simon (1898) die telephonische Bedeutung deselektrischen Lichtbogens ausgedeckt hat. Ganz unverhältnismäßigverseinert wurde der Zeitsinn, wie wir dies zumal anläßlich dersogenannten Momentverschlüsse des Astrophotographeu festzustellenin der Lage waren. Eiue Zeitsekunde ist gewiß ein kurzer Zeit-abschnitt, so kurz, daß in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundertsder Astronom Roth mann ausdrücklich betonen zu müssen glaubte,die Messung von Sekunden sei kein Ding der Unmöglichkeit.Und dnrch die in Abschnitt XVI besprochenen Versuche Feddersensmit dem rotierenden Spiegel ist die Möglichkeit der Festhaltnugeiner Hnndertmilliontelsekunde dargethan worden! Legt man dasErg, d. h. diejenige Einheit des Energiemaßes zn Grunde, welcheder Hebung eines Milligramms um eiuen Centimeter — oder eiuesCentigramms um einen Millimeter u. s. w. — entspricht, so istder Vorteil eines gemeinsamen Maßes für Sinne nndInstrumente gewonnen, nnd die Energieschwelle, nnter diehinab die Fähigkeit des Wahrnehmen? von Unterschieden nichtmehr reicht, kann in Erg angegeben werden. Nach M. Wienliegt für Auge und Ohr diese Energieschwelle ziemlich an derselbenStelle: ein Hundertmilliontelerg ist gerade noch imstande, einenReiz auf jedes dieser beiden Organe auszuüben, und das Seh-organ übertrifft etwa hundertmal eine empfindliche photographischePlatte. Ganz unverhältnismäßig reizbarer noch ist PaschensGalvanometer, welches dem Jahre 1893 entstammt. Aber dieWissenschaft orientiert uns nicht allein über die Leistungsfähigkeitund über die zweckmäßigste Armierung unserer Sinne zum Zweckeder Lösung bestimmter Ausgaben, sondern sie zaubert sogarneue Sinne hervor. Die große Entdeckung Roentgens (Ab-schnitt XVI) hat die Menschheit in den Besitz eines nenen Sinnesgesetzt, von dessen latentem Vorhandensein bis dahin nichts geahntworden war. Überfliegen wir also nochmals die lange Reihe vonErfolgen, durch welche dein Menschen der Gegenwart ein so außer-
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