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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXIV. Rückblick und Ausblick.

schaft der Paläontologie, die als solche noch kaum auf einJahrhundert selbständiger Existenz zurückblicken kanu, hat in dieserZeitspanne nicht nur ihren nächsten Zweck, die hilfreiche Dienerinder allgemeinen Geologie zu feiu, glänzend erreicht, sondern ist,als autonome Naturgeschichte der versteinten Lebewesen,»nter der Führung eines Owen, Marsh, Schenk und vor allemv. Zittel in die engste Fühluug zur Organologie getreten undstellt innerhalb der doch teilweise noch bunt durcheinanderwvgendenSpekulationen über Entwicklung und Deszendenz den eisernenBestand gesicherter Thatsachen dar, mit welchem sich erstere nnterallen Umständen abzufinden genötigt sind.

Die mathematische und physikalische Erdkunde, welcheseit zwei Jahrzehnten in einer noch universellere Ziele anstrebendenGeophysik ihre Weiterführuug nnd Vollendung zu finden begann,lassen nicht minder deutlich erkennen, welch gewaltige Ergebnisse dieArbeit eines Jahrhunderts zu liefern imstande ist. Um 1800 wardie astronomische Fixierung erst für recht wenige Orte der Erdeexakt durchgeführt- heute kennt man von jedem irgendwie bekanntenPlatze sehr genan die geographischen Koordinaten der Breite,Länge und Meeres ho he. Damals war man froh zu wissen, daßdie Erde als ein abgeplattetes Umdrehungsellipsoid betrachtet werdenkann, aber die Folgezeit ist über diese Erkenntnis weit hinaus-gegangen, und während die theoretisch wie praktisch gleichwichtigeuUntersuchungen eines Gauß, Bessel, PH. Fischer, Airy, Stokesdie Zusammenfassung geodätischer und experimenteller Verfahrungs-weifen für eine möglichst genane Bestimmung der wahren Erd-gestalt ermöglichten, deuteten Bruns' und Helmerts Arbeitenüber das Geoid an, daß dem Hauptprobleme selbst eine ganzandere, ungleich weiter gesteckte Fassung erteilt werden müsse. DasRiesenwerk der internationalen Erdmessnng, von der Umsichtund Thatkraft I. I. Baeyers zustande gebracht, wird, wie wirhoffen, im beginnenden Jahrhundert zu Ende geführt werden undfür beliebig gewählte Punkte die Raumbeziehung des Geoides zumReferenzellipsoide zu überblicken erlauben. Für die durch Gaußin eiu ueues Fahrwasser geleitete, durch Neumayer mit dem er-forderlichen Rüstzenge versehene und durch Ad. Schmidt mathe-