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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXIV, Rückblick und Ausblick,

Mittel sind andere als diejenigen geworden, mit welchen sich unsereVäter und Großväter zu behelfen gezwungen waren. Welchen Vor-schub gewährt nicht allein der Besitz eines allumfassenden, alleZeiten der Wissenschaft von der Natur gleichmäßig befruchtenden«Gesetzes, wie es dasjenige von der Erhaltung der Arbeit ist! MitRücksicht ans dasselbe dars man, ohne sich der Gefahr, Lügen gestraftzn werden, auszusetzen, das neue Säkulnm als das energetischebezeichnen? die große Entdeckung des Dreigestirnes R. Mayer-Helmholtz-Joule wird eine beherrschende Rolle spielen, und dieNatursorschnng bleibt sich ohne Zweisel immer dessen bewußt, daßsie unter diesem Zeichen siegen soll.

Allerdings müssen wir dabei Perwahrung gegeil jene scharfakzentuierte Formulierung einlegen, welche dein Worte energetischvon einigen Naturforschern, als deren Wortführer Ostwald zubetrachte» ist, erteilt ivordeu ist. Dauach stünde dasselbe imschärssteu Gegensatze zu mechanistisch, nnd der genannte, that-kräftige Vertreter der Physikalischen Chemie hält sogar, wie er imJahre 189S der Lübecker Natnrforscherversammluug auseinander-setzte, durch eine recht entschiedene Betonung und energische Durch-führung des Energieprinzipes eine Überwindung deswissen-schaftlichen" Materialismus für möglich. Es wird jedoch inweiten Kreisen diese Bezeichnung als eine uicht zutresfeude empfundenwerden, denn unter materialistischer Weltanschauung verstehtman zumal in Deutschland die von I. Moleschott (18221893)und L. Büchner (18241899) eingebürgerte, naive Identifizierungaller körperlichen und geiftigeu Vorgänge, die heutzutage, daukbesonders den Errungeuschasten einer exakten Psychophysik, nuterden Mäunern der Wissenschaft nur uoch sehr weuige Alihängerzählen dürfte. Was aber Ostwald so nennt, ist doch etwas iminnersten Kerne Verschiedenes, denn es handelt sich nur darum,alle Bewegnngsvorgälige auf die genau beschriebenenBewegungen gewisser gleichartiger Körperelemente zu-rückzuführen, uud vor dem Versuche, auch den Unterschied zwischenBewußtseins- und Beweguugserscheinungen aufzuhebeu, macht an-scheinend, vvu einigen extremen Monisten abgesehen, die ganzemoderne Wissenschaft Halt. Wie die Philosophie zu Werke zu