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England und Deutschland / G. von Schulze-Gaevernitz
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sich ihm aber zusehends auf Grund größeren Bevölkerungs-zuwachses und breiterer landwirtschaftlicher Grundlage-einer britischen, noch immer abnehmenden^) Land-bevölkerung von etwa 5 steht eine deutsche von etwa18 Millionen gegenüber, (vergl. auch Tabelle 15, 16, 17.)Um so verständlicher ist es, wenn die britische Verstimmungan dem Punkte desgeringeren Widerstandes" einsetzt undgegen den schwächeren Mitbewerber sich wendet denVetter Landratte dem es einfiel, au ch zur Lee zu fahren.Dem deutschen Michel hatte man mitleidig die Wolkenregionder Gedanken überlassen, und gerade ihm wurde die Wissen-schaft die Führerin zur Praxis.

II.

Werfen wir nunmehr einen Blick auf Deutschland .Gerechterweise müssen wir zugestehen, daß die Verstimmungauf britischer Seite tiefer begründet ist als aus der unsern.Gedenken wir unserer politischen und wirtschaftlichen Ohn-macht um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts undunseres fabelhaften Aufstiegs, den England jedenfalls nichtgehindert, ja, ohne es zu wollen, sogar gefördert hat.

Die älteren Liberalen Deutschlands haben englischesWesen in jenen Tagen blind verehrt, da der deutscheIdealismus unfähig erschien, die deutsche Wirklichkeit zugestalten. Kuch heute noch gibt es Nachzügler, denen allesEnglische bloß weil es englisch ist vornehm undunübertrefflich erscheint. Demgegenüber betont ein jüngeresGeschlecht, das in Treitschkes Schule gegangen ist öftersübertreibend den nationalen Eigenwert. Es hält denKopf um so höher, als bis vor kurzem der Durchschnitts-Engländer deutschem Wesen gegenüber die Miene gönner-hafter Ueberlegenheit zur Schau trug, hierzu kommt dieMeinung, daß jeder Fortschritt Deutschlands bislang dem