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England und Deutschland / G. von Schulze-Gaevernitz
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zähen Widerstände Englands abzuringen war, hierzuder Krgwohn, daß England auch heute, wo es kann, dritteNationen die vereinigten Staaten, Frankreich, Japan , jasogar Rußland gegen uns auszuspielen versucht. Manfürchtet die vielbesprocheneEinkreisung" Deutschlands durch ein System britischer Bündnisse und Verständigungen.

Diese für die Gegenwart vielleicht irrige Meinungknüpft an die geschichtliche Tatsache an, daß uns dasoffizielle England seit Waterloo während des ganzen neun-zehnten Jahrhunderts entgegengearbeitet hat. England wares, welches auf dem Wiener Kongreß die Neubegründungder von Bülow eroberten Niederlande durchsetzte, derensüdlicher Teil mit Antwerpen noch bis zu den Nevolutions-kriegen deutsches Reichsgebiet gewesen war. Kuch spätersuchte England das werdende Deutschland vom Meere ab-zudrängen, so insbesondere in der Frage der Elbherzog-tümer. palmerston hatte die Nation hinter sich, wenn erunsern Krieg gegen Dänemark alsverbrecherisch" brand-marktes) Disraeli bezeichnete den Krieg von l866 alsdiedeutsche Nevolution", welche das ganze GleichgewichtEuropas hauptsächlich zum Schaden Englands verschöbet)Englische ^Einflüsse waren es, welche im entscheidendenZeitpunkte des deutsch -französischen Krieges die Beschießungvon Paris verzögerten und damit eine weltgeschichtlicheEntscheidung gegen uns zu fälschen drohten.

Während des ganzen neunzehnten Jahrhundertsscheiterten mannigfache deutsche Kolonisationspläne, z. B.die des Hamburger Syndikus Sieveking,«) an dem Wider-spruch der britischen Negierung: kaufmännischer Wage-mut war machtlos ohne den Nückhalt an einem geeinten,seestarken Hinterlande. Der Hanseat erschien dem Angel-sachsen damals wie das Huhn, das im Stalle der edlenNosse ein Körnlein pickt, und das man sobald es lästigwird mit einem Fußtritt verjagt.