Druckschrift 
England und Deutschland / G. von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

N)ir wollen uns hüten, den englischen Staatsmännerneinen Vorwurf daraus zu machen, daß sie die Interessenihres Landes gegen uns wahrnahmen. Sie waren dieTreuhänder ihres Volkes und fürchteten als solche dasEmporkommen einer Großmacht an der Elb- und Weser-mündung. Trifft sie vom britischen Standpunkt aus einVorwurf, so ist es der, daß sie nicht stark genug waren,Deutschlands Einigung rechtzeitig zu hintertreiben, unddaß sie später Deutschlands Aufstieg durch gelegentlicheNadelstiche bekämpften, statt mit der dennoch siegreichenLache sich rechtzeitig zu verbünden.

Auch wollen wir nicht vergessen, daß wahrend desganzen neunzehnten Jahrhunderts eine deutschfreundlicheNebenströmung den britischen Staatsmännern ihre gegenuns gerichtete Arbeit erschwerte eine Strömung, vonder die Königin selber nicht unberührt war.

Dankbar gedenken wir insbesondere des großenGeistes, der weithin die Aera viktorias beeinflußteunseres Freundes, wenn je einer uns im Auslande gelebthat. Thomas Tarlvle erzog die besten seiner Lands-leute zum Verständnis des aus Altpreußen heraus-wachsenden Neudeutschland welches weder auf er-loschenen Traditionen, noch auf radikalen Wahnvor-stellungen, sondern auf Tatsachen beruhet") von allem,was er bei seinem zweimaligen Besuche in Deutschland gesehen, gefielen ihm die preußischen Soldaten am meistenmit ihremintelligenten Schweigen" seltsam gewißfür einen westeuropäischen Philosophen vor l866 und 187V!Als Greis erlebte Tarlnle die Genugtuung, seine Ausfassungder deutschen Frage bewahrheitet zu sehen.Es war,"schrieb er l867,eine ganz klare Prophezeiung, daßDeutschland entweder ehrlich preußisch werde oder zu all-mählicher Auflösung kommen mußte. Aber wer von unserwartete, daß wir selbst, anstatt unserer Kindeskinder,