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der positiven Zeiten unterscheidet. Solange der Mensch vonaltruistischen Motiven beherrscht nnd als Organ des gesell-schaftlichen Ganzen thätig ist, vollziehen sich die Funktionendes Gesellschaftslcbcns unbewußt, ähnlich wie die Funktionendes gesunden menschlichen Körpers. Sie werden dagegenbewußt vorgenommen, je mehr der Individualismus zurHerrschaft gelangt. „Bei allen Kundgebungen der mensch-lichen Natur, äußeren und inneren, Persönlichen und gesell-schaftlichen, kennt das Vollkommene sich selbst nicht, währendalles was sich kennt, mehr oder weniger unvollkommen ist."„Unbcwußtheit gehört dem reinen, ungemischten Leben an,Bewußtheit einer krankhaften Mischung, einem Kampfe zwi-schen Leben und Tod." Daher ist das sittliche, d. i. dasgesellschaftliche Handeln unbewußt in den gläubigen Zeiten,wogegen die Zeiten des beginnenden Unglaubens „an Stelleheroischer Thaten Moralphilosophien" hervorbringen. DieTugend wird selbstgefällig zur sogenannten „Sentimentalität".„Prediger verkünden „Wohlwollen" nach allen vier Windenund tragen Wahrheit auf ihren Petschaften eingegraben —unglücklicherweise aber mit wenig oder gar keinem Erfolge."Zuletzt aber folgt die Ära der Sophisten, die über das Da-sein der Tugend schwatzen, sie vom utilitarischen Gesichtspunktbeweisen oder leugnen.
In gleicher Weise verdankten die Staats- und Rechts-philosophien nicht dem kräftigen Zeitalter der antiken Re-publik ihr Dasein. Alle diese Theorien gehen darauf hinaus,Recht und Staat, deren Wert in Positiven Zeiten für denMenschen etwas transcendentes, d. h. Gegenstand des Glau-bens ist, ihres überirdischen Scheines zu entkleiden. Vonihnen Rechenschaft geben nämlich heißt nichts anderes, alssie auf das Individuum zurückführen und ihre Entstehungaus dem Egoismus herleiten.
In nahem Zusammenhang hiermit steht der Unterschied,daß in Positiven Zeiten der Prophet oder Dichter, d. h. derbegeisterte Denker, der geistige Führer ist, in negativen da-gegen der Logiker, der nicht begeisterte Denker. Der erstereallein wirkt produktiv; ihm verdankt man die Gestaltung