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hinzutreiben schien 12 . Der Eindruck dieses England dervierziger Jahre hat Marx zeitlebens beherrscht. Denn Marx wurde seitdem den Bücherschätzen des britischen Museumsvertrauter, als der seit den sechziger Jahren aufsteigendenGewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung der britischenArbeiter. So hat er sogar das berühmte „Zehnstunden-gesetz“ längere Zeit für eine „reaktionäre Massregel“ er-klärt 13 . Zwar weisen die späteren Schriften von Marx und Engels gewisse Abschwächungen des ursprünglichenMarxismus auf, dessen Höhepunkt vom kommunistischenManifest bis zum ersten Band des „Kapital“ einschliesslichdatiert; aber erst in Bernstein hat die praktische Bekannt-schaft mit der sozialen Entwicklung des neuzeitigen Eng-land den Marxismus auseinander gesprengt.
Auf den geschilderten Grundlagen geistesgeschicht-licher, politischer und persönlicher Art erhebt sich derGedankenbau des Marxismus, welcher bei überwiegendvolkswirtschaftlichem Inhalt eine geschlossene Weltan-schauung zu geben beansprucht: eine nationalökonomischeAntwort auf die letzten Fragen des Menschendaseins.Sozialrevolutionärer Wert-Nihilismus, materialis-tische Geschichtsauffassung, Mehrwertlehre undpolitischer Sozialismus sind die vier Hauptansichtendieses allumfassenden Gebäudes, die im Folgenden ankantischen Maßstäben gemessen werden sollen.
I. Marx ist Monist im Gegensatz zum Dualismuszwischen Sein und Soll (Natur und Wert), welcher KantsSystem durchzieht. Er ist Seinsmonist im Gegensatz zumWertmonismus Hegels. Bei Hegel verschlingt der Wertdas Sein: was nicht Wert ist, ist nicht „wirklich“. BeiMarx verschlingt das Sein den Wert: was nicht wirklich ist,ist kein Wert. Marxens System behauptet rein „natur-wissenschaftlich zu sein. Auch für ihn gilt das Wort seinesFreundes Heine: