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Wie aber die Erde an bestimmten Punkten ihrer Bahn, kraftihrer Gravitation, leuchtende Meteore aus dem Welträume an sichzieht, so lockt auch die Civilisation, an den rechten Stellen ihresWeges, aus dem weiten Reiche der Geister die schöpferischenTalente hervor, deren sie bedarf.
Als der träumerische Knabe, James Watt , zum Verdrusseseiner fleifsigen Mutter, statt, nach der wackern Frau Ansicht,nützlicher Arbeit, sich stundenlang damit beschäftigte, demSpiele des vom Dampf bewegten Deckels der Theemaschine zu-zuschauen, ihn niederzudrücken, wenn er gehoben war, die Bil-dung und das Zusammenrinnen der Tropfen zu beobachten, diesich auf einem in den Dampf gehaltenen kalten Löffel bildeten —durchlebte die Menschheit einen gröfseren Tag, als den des glän-zendsten Sieges, den die Kriegsgeschichte verzeichnet.
An diesem Tage erhielt die Civilisation eines der stärkstenRüstzeuge zur Lösung ihrer Probleme. James Watt’s Schöpfer-genius fast ohne Gleichen gestaltete in einem einzigen Haupteden mächtigen Apparat der feststehenden Dampfmaschine, fastvon seinen Uranfängen an bis zu der Vollendung, in der er jetztunsere Mühlen treibt, in unseren Bergwerken Wasser pumpt undLasten hebt, in unseren Spinnereien Millionen Spindeln schwirrenmacht, das Feuer unserer Eisenwerke anfacht und ihre Walzenumtreibt, in unseren Werkstätten hobelt, bohrt, sägt und schmiedet,und, mit gewissen Modificationen der Form, unsere Schiffe überden Ocean führt. Mit fast gespenstischem Leben, heifsem Odemund unbegrenzter Kraft ausgerüstet, ist er uns doch ein treu-gehorsamer Diener, dessen Macht und Verläfslichkeit uns denKampf mit den Naturgewalten oft siegreich aufnehmen läfst —überall aber, mit riesiger Geisterhand eingreifend, die Menschen-hand von der schwersten, seelenlosesten und menschenunwürdig-sten Arbeit entlastet.
Watt hat uns die stehende Dampfmaschine fertig hinterlassen.Die Epigonen haben daran nur in den Formen ändern, im Detailverbessern können.
Die Macht, mit der diese Apparate jetzt dem Menschen beiseinem Wirken zur Seite stehen, ersetzt, in Europa allein, dieArbeit von 15 Millionen Pferden oder 65 Millionen kräftigerMenschen, so dafs nahezu der dritte Theil der Bewohner diesesErdtheiles im Tretrad gehen, Lasten tragen oder Kurbeln drehen