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Die Entlastung der Culturarbeit durch den Dienst der physikalischen Kräfte / von M. M. von Weber
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im Verein die Bibliothek der Zukunft in einen in der Westen-tasche zu tragenden kleinen Band verwandelnd, das Bücher-wissen allgegenwärtig machen wird, so wird bald, vielleicht sehrbald, das Menschenwort, der Menschenwille, das Menschenohr inallen Räumen allgegenwärtig sein, wie sie es jetzt in dem Zimmersind, wo sich eine Familie traulich versammelt.

Wir brauchen dabei nicht einmal einen der uralten Lieblings-träume der Menschheit von der weitgehendsten Entlastung derKörperbewegung auf der geraden Linie des Vogelflugs, durch denFortschritt der Aeronautik zu träumen, nach dessen Verwirklichunghin die Entdeckung des Metalls, fest wie Eisen, leicht wie Rohr,des Aluminiums , uns eine so hohe Stufe gebaut hat.

Hypochondrische Rechner haben herausgebracht, dafs in sooder so viel tausend Jahren der Brennstoff auf Erden aufge-braucht und damit nicht allein der gesammten Technik, sonderndem Culturleben überhaupt ein Ziel gesetzt sein werde. DasFactum selbst zugegeben, hiefse doch solche Schlüsse darausziehen, am Rapport des Menschengeistes mit den kosmischenund physikalischen Kräften zweifeln, die, das Weltall rings umuns belebend, nur darauf zu warten scheinen, zum Dienste seinesFortschrittes herangezogen zu werden.

Ein Beispiel möge hierfür zur Bewahrheitung genügen.

Als es galt, die 20000 Centner schweren Eisenröhren derBritannia-Brücke von der Uferstelle des Menai-Canals, wo siezusammengenietet worden waren, an ihre Stellen zwischen diePfeiler der Brücke zu transportiren, wurde der Erbauer derBrücke, der grosse Ingenieur Robert Stephenson , gefragt: wie erdiese colossalen Lasten zu heben und zu bewegen gedenke. Erantwortete geheimnifsvoll lächelnd: «Ich denke mir dazu den

Mond als Handlanger zu engagiren!»

Und er that es, und der Mond legte ihm seine Riesenröhrengehorsam und gefällig zwischen die Pfeiler.

Täglich umschreiten bekanntlich die Erde, in ihrer ganzenBreite von Pol zu Pol, von der Anziehungskraft des Mondes undder Sonne, vornehmlich aber des ersteren, gehobene Wasserbergeund Wasserthäler: Fluth und Ebbe genannt.

Die Kraft, die dieses Steigen und Fallen so unermefslicherWassermengen entwickelt, berechnet sich nach Tausenden vonMillionen Pferdekräften.

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