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Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
Entstehung
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Uebervölkerung.

Als die eigentliche zwingende Nothwendigkeit, welche eineErwerbung von Colonialbesitz für uns unerläfslich machen soll,wird von den beiden genannten Verfassern die uns drohendeUebervölkerung bezeichnet. Herr Fabri weist auf die rapide Zu-nahme unserer Bevölkerung hin, durch welche sich der Ueberschufsder Geborenen über die Verstorbenen von i 1 /^ pCt. auf i 1 j z pCt.gesteigert hat. Während Preufsens Bevölkerung sich von 1820bis 1860, also in 40 Jahren, verdoppelte, sagt er, bedarf Deutsch-land hierzu jetzt nur noch 30 Jahre. Hiernach würde unter Ein-haltung derselben Bedingungen die Bevölkerung im Jahre 1900auf 80 Millionen Menschen gewachsen sein; aber wenn er sieselbst nur auf 65 Millionen schätzen wollte, kommt Herr Fabri«mit unaufhaltsamer Folgerichtigkeit» zu folgendem Prognosti-ken über die Zukunft Deutschlands:

« Steigende Einfuhr von Getreide und Vieh, weil diedeutsche landwirtschaftliche Production den eigenenBedarf immer weniger zu decken vermag; in Folgedessen steigende Theuerung der Lebensmittel und damitaller Preise; dazu stetiges Herabsinken des Arbeits-lohnes wegen alljährlich sich vermehrenden Angebotsvon Arbeitskräften; Schwächung der gewerblichen Pro-duction, wegen zunehmender Schwächung des National-vermögens, d. h. zunehmender Unmöglichkeit zu sparenund in Folge dessen auch sinkender Kaufkraft, oder miteinem Worte: Rapides Wachsthum des Pauperismus undder socialen Noth!»

Diese schwarz klingende Prophezeihung verliert viel vonihrem Schrecken, wenn man ihr näher tritt, eine Erfahrung,welche sich bei allen Gespenstererscheinungen bewährt.

Das Wachsthum der Bevölkerung des Deutschen Reichs inseinem heutigen Umfange seit 1816 war folgendermafsen, wie dieder Reichsstatistik entnommene Tabelle zeigt: