Druckschrift 
Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

57

ralische Scheidewand, welche eine Mischung der beiden Elementeselbst bei ihrer Bestrafung nicht zuläfst. Sicher aber wirkt dasHalten in Gefängnissen auf den politischen Gefangenen wenigerverbitternd als die Kameradschaft mit gemeinen Verbrechern, selbstwenn sie im Frack und in weifser Halsbinde erscheinen.

Auch Herr Fabri meint im Hinblick auf die Verbreitung desSocialismus in Deutschland , dafs die Gründung von Straf-Colonienunerläfslich sei und sagt: «Denken wir uns nun, dafs im günstigerscheinenden Augenblicke mit den Mitteln der Gewalt auch beiuns Umsturz-Versuche erfolgten, wie die Commune solche imFrühjahr 1871 unternommen hat, dafs nach vielleicht blutigemRingen Tausende und Zehntausende auch bei uns plötzlich vorGericht zu stellen wären, würde eine solche traurige Eventualitätdie Reichsregierung nicht in eine unlösbare Verlegenheit stürzen?Wohin mit den Tausenden von Verurtheilten angesichts unsererohnedies ganz unzureichenden und überfüllten Gefängnisse? Es bliebeschlechterdings kein anderer Weg als der, den Frankreich mitseinen Deportationen nach Neu - Caledonien eingeschlagen hat.Man könnte dann in wohlwollender Liberalität eine geeignete Insel,etwa Utopia genannt, den Communards zur Selbstverwaltungüberlassen, um ihr Weltbeglückungs-Programm doch irgendwoeinmal zum Experimente zu bringen, zur Probe zu nöthigen.Aber um solchen Weg beschreiten zu können, müfste eben Deutsch-land irgend welche coloniale Besitzungen in geeigneter Lagebereits erworben haben. Hat doch England , das allzeit praktische,auf die Umsturz-Versuche des irischen Fenierthums sofort mitDeportation geantwortet und auf diesem Wege die Unterdrückungder Bewegung rasch erreicht».

Herr Fabri bedient sich des scharfen Mittels der Einschüchte-rung, um uns für die Colonisation zu gewinnen; aber bei aller Furcht,die ich mit ihm vor dem Socialismus theile, kann ich ihm dahindennoch nicht folgen, weil unsere Befürchtungen von verschiedenenGrundlagen ausgehen. So wenig ich die Agitationsmittel derSocialisten billige, so liegt die Gefahr für uns nicht sowohl in denAufständen und Unruhen, welche sie verursachen können, (gegendiese wird sich die Gesellschaft zu wehren wissen), als in der ver-derblichen Doctrin, die dem Volke von ihnen beigebracht wird.Der Socialismus ist die ausgebildetste Despotie, welche dasmenschliche Hirn erdenken kann, und wenn er überhaupt aus-