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da begann erst der Fluch jenes unsinnigen Wesens sich inseiner wahren Größe zu zeigen. Selbsterhaltung war dereinzige Zweck, das einzige Bewußtsein der alten Staats-gewalten von oben bis unten, und als sie einsahen, daß esmit ihrer Herrschaft, mit der Furcht, zu Ende war, daß sienichts mehr für sich selber zu hoffen hätten, da legten sieruhig die Häude in den Schoß und sahen, sehen noch mitder gleichgiltigsten Miene der Not, der Angst der Gesell-schaft zu. Nicht allem die Kraftlosigkeit, auch die perfideSelbstsucht ist es, welche jetzt die Thätigkeit der noch zumScheine bestehenden Autoritäten gänzlich aufhebt. Sie alleinsind noch einigermaßen organisiert, sie auch haben dieÜbung des Regierens und könnten noch manches leisten,wenn sie den Rest ihrer Geschicklichkeit und Kraft demBürger aufrichtig, rückhaltslos leihen wollten. Aber nichtder geringste Versuch wird gemacht. Mit der alten Tyranneiists aus, was kümmert sie das Wohl des Staates, was hates sie jemals gekümmert? Das ist die eine fluchwürdigeFolge des Polizeistaates, diese ist heute noch eine Be-schuldigung gegen die alten Gewalten; die andere Folge,gleichfalls derselben Unglücksquelle entsprungen, ist heuteihre Entschuldigung: das grenzenlose Mißtrauen gegen jederegierende Gewalt, die blinde Verwechselung der Sache mitden Personen, der Institutionen selbst mit den alten Miß-bräuchen. Die Polizei — und Polizei war die ganzeRegierung — ist in den Augen der Meisten nichts als einefeindliche Macht; keine Regierung will man, denn mankennt die Regierung nur als das böse Prinzip. So ist esgekommen, daß die früheren Autoritäten in sich selbergleichgiltig, vom Volke zurückgestoßen, völlig untauglich sind.Hinter uns ist völlige Auflösung. Das Natürlichste wäre,vorwärts zu organisieren, zu ordnen. Im ersten Augen-blick war die Energie dazu vorhanden. Man improvisierterasch einige leitende Kollegien. Das reichte aus für den