Vorwort.
Gewiß hat jeder mit regem Sinn für das politischeLeben begabte Deutsche beim Ausbruch des letzten Kriegesdieselben Prüfungen durchgemacht, aus denen der erste An-stoß zu dem nachfolgenden Werke hervorgegangen ist. Mitdem Ende des Jahres neunnndvierzig war eine völligeOhnmacht eingetreten und das öffentliche Bewußtsein derNation bald ganz und gar geschwunden. Der Kreislaufder Ideen stockte, der Zusammenhang der Organe warunterbrochen, die gemeinsame Empfindung aufgehoben.Diejenigen, welche im Stillen wach geblieben, waren ver-einsamt. Da schlug es mächtig in die Nacht herein. Sieheda! es leuchtet und wettert, es flammt von fernher auf,es zuckt durch alle Fibern. So gäbe es noch Bewegung?noch Geschichte? und wäre nicht Alles todt? Und Jederauf und hinaus, und zum ersten Male nach so langer Zeitwogt in der stürmisch erregten Brust wieder einmal dasalte, das gute Bedürfniß: Mensch zu sein mit Menschen,Bürger mit Bürgern; zu denken mit Denkenden, zn fühlenmit Fühlenden, Wort um Wort zu tauschen. — Aber wehe!welche Verwirrung! die stumme Vereinsamung ha^ alleGeister einander entfremdet, hat alles Verständniß aufge-hoben, alle Vorstellungen verkehrt. Freunde hauen aufeinander los in der Verwirrung des Augenblicks, Feinderennen Arm in Arm nach vermeintlich gleichen Zielen; und