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wie Mancher erst rettet, thöricht triumphirend, in derVerrücktheit der Eile den bestäubten Perrückenstock, dieweiler die wcrthvollste Habe den zerstörenden Elementen Preisgiebt. Wie immer in solchen Katastrophen fehlt es dannnicht an Gesindel, welches sich die allgemeine Bestürzungzu Nutze macht, um ungestört zu plündern; und so geschahes wörtlich, daß im Tumulte dem deutschen Volke so rechtdas Bewußtsein dessen, was es wollte und mußte, im eignenLager abhanden kam. Die Diebe — je nun, wer brauchtesie zu uennen?
Allmählich begann es zu tagen in den Köpfen undringsumher. Nun erkennt man sich, nun tritt man zu-sammen, reicht sich die Hände und sagt sich: bleiben wirzusammen, lassen wir uns nicht mehr in der stummenFinsterniß zerstreuen, das ist die Hauptsache. Um so mehr,als das Wichtigste erst noch geschehen muß, als die Zeiten,die da kommen sollen, die Vereinigung der Gleichen unddie Einsicht des Nothwendigen strenger gebieten werden,denn je zuvor.
Und so ist — um Vieles zu überspringen — auchhier versucht worden, eine Stätte zu gründen, für gemein-same Ueberzeugung und gemeinsames Wirken. Freilichnur ein bescheidenes Taschenbuch. So groß der Zweck, soklein das Mittel. Aber das ist ja eben das Kennzeichender Noth. Besäßen wir die großen Hülfsquellen, so wäreunsere Lage nicht die schlimme, die sie ist. Wer beobachtenkonnte, in welche Schranken die Reaktion das deutschePreß- und Vereinswesen zurück geführt hat, der wird sichnicht wundern, daß ein gutgemeinter Versuch in solch einBüchlein auskaufe.
Doch zu Etwas ist auch das Unglück immer gut.Das anspruchslose Gerüste, das wir da aufrichten, ist zuschwach, um eiu großes Schild zu tragen, und so fühlen