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wir uns glücklicherweise der Pflicht entbunden, ein Partei-programm aufzustecken. Partei ist eiue unentbehrlicheSache, aber die Programme sind vom Uebel, namentlich imVaterlande der Philologie und der Definitionen. So mögeein Symbol, eine Fahne genügen. Nennt sie immerhindie demokratische und denkt Euch dabei von Allem, wasIhr je mit diesem Begriff verbunden habt, das Einfachste.Das Uebrige mögen die Leistungen selber erklären und bei-läufig die Namen der Personen, von denen ja manche hoffendürfen, nicht vergessen zu sein.
Man kann eben so gut auf die allmählich erwachseneUmgestaltung seiner Ansichten stolz sein, als auf deren un-gebeugte Treue gegen sich selbst. Am Besten thut man,auf keines von Beiden stolz zu sein. Hier ist nun Raumfür Jeglichen von uns zu zeigen, was ein Jahrzehnt vonauf alle Fälle bitteren Erfahrungen aus ihm gemacht hat.Schwerlich haben die Grundanschauungen sich bedeutendverändert, denn sie ruhen auf Ueberzeugungen, welche nichtvom äußern Erfolg einzelner Exerimente abhängen. Wannund wo wir Etwas lernen konnten, war es keines Fallsvon unsern Gegnern irgend welcher Schattirung; dieklägliche Arbeit, welche sie verrichtet haben, seitdem sie alleinam Ruder sind, war nur geeignet uns durchaus im Wider-spruch zu befestigen. Oder sollten wir bei einem Blick aufdeutsche Jammerzustände bedauern, nichts mit dem Ver-trauen gemein zu haben, welches die Einen so unfehlbaranmaßend vindizirten und die Andern so unterthänig be-schränkt zu Diensten stellten?
Nicht minder ausgemacht ist, daß ganze Geschlechtervon Anklagen, mit denen man seiner Zeit uns in denOhren gelegen, heute von selbst in ihr Nichts zerfallenmüssen. Will man noch immer das alte Lied von derUeberstürzung singen? Ich denke, wir haben Zeit gehabt.