Vor den Wahlen.
An Freund und Feind.
„Raum Ihr Herr'n dem Flügelschlageiner freien Seele."
Den 15. April 18^8.Die heilige Zeit, wo das deutsche Volk in den Bundder mündigen Nationen aufgenommen werden und zu demersten hohen Akte politischer Selbständigkeit herantreten soll,die Zeit der Wahlen zur Nationalversammlung, steht bevor.Sie kann nicht genug durch ernste Betrachtungen über denmächtigen Schritt, welchen wir bereits vorwärts gethanhaben, über die notwendige Umgestaltung unseres öffentlichenLebens, sie kann nicht weihevoll genug herangewacht werden.Sonderbar, wer bedenkt, daß kaum sechs Wochen verflossen,seitdem wir in einem an Exaltation grenzenden Zustandeuns selber dies Recht der Mündigkeit erworben haSen, denmuß es billig wundern, daß heute schon eine Ermunterung,wie die oben ausgesprochene, für nötig erachtet werde. Undnötig ist sie; denn aus einem Zustand der Aufregung ist eingroßer Teil in den der Erschlaffung, von kühnem Selbst-gefühl in jämmerliche Kleinmütigkeit, von großherzigem Zu-sammenschließen in engherzige Absonderung übergegangen— mit einem Worte: es droht ein Rückfall, der immer ge-fährlicher ist, als der erste Krankheitszustand, es droht ein