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Alles blüht auch uns, wenn es gelingt, uns noch mehr, alswir es schon sind, unter die Habsburgische Oberhoheit zustellen. Denn darum handelt es sich, und darum im bestenFall, nämlich wenn wir mit Österreich siegen; denn was unspasfirt, wenn wir mit Österreich geschlagen werden, davonmag gar keine Rede sein. Aber nehmen wir an, das großeNationalwerk gelingt, Deutschland wird in den Angriffskrieggegen Frankreich verwickelt, und Österreich verdankt die Er-haltung seiner Integrität den Umtrieben deutscher Kleinfürstenund ultramontaner Pfaffen. Dann wird es erst recht klarwerden, wie der österreichische Despotismus in der deutschen Vielstaaterei wurzelt, wie ihm zu Liebe Preußen erniedrigtund erdrückt werden muß, und dann wird eine Bruderselig-keit zwischen neuen Metternichen und deutschen Landesväternaufblühen, dergleichen noch nicht dagewesen.
Das ist der Kern der Frage, um die es sich jetzt han-delt. Welche geringe Vorstellung man immer von dem Ver-hältnis habe, in welcher das gegenwärtige preußische Herrscher-geschlecht seiner deutschen Aufgabe gewachsen ist, wie vielWahres auch an der süddeutschen Antipathie gegen märkischenJntelligenzdünkel sei — das ist und bleibt doch der einzigeAusweg aus Deutschlands Jammerzustand, daß Preußen möglichst weit das Raubstaatensystem absorbiere. Wie wenigZutrauen man immer in dynastische Einigungs- und Be-freiungs-Methoden setze, es ist nicht zu läugnen, daß nachder erbärmlichen Niederlage von 1848, von Berlin aus nochmehr Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang winkt, als voneinem Frankfurter Parlamente aus. Und dann handelt essich jetzt gar nicht um die Wahl zwischen zweierlei Mitteln.Zu einem von unten auf anhebenden Befreiungs- und Ver-einigungs-Versuch liegt nicht das geringste Material da, wo-gegen noch nie eine so günstige Gelegenheit vorhanden war,die preußisch deutsche Bewegung vorwärts zu schieben. Eshandelt sich nicht um Ab- und Zuwägen. es handelt sich ums
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