Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

191

nissen des Befreiungskrieges und den Bewilligungen derMärzesnöten zu glauben, war der Unerfahrenheit und Gut-mütigkeit noch zu verzeihen; heute aber, wo man nicht ein-mal gelobt, noch bewilligt, sondern Alles leistet, indemman Gelder für Waffen und Monturen erhebt, an sichschon ein allerhöchster Genuß heute geht die Blödheitüber jegliche Geduld hinaus.

Das ist nicht mehr erlaubt, zu vermeinen, Habsburgund sein Jesuitenbruder der Bayer, diese zwei Urobskuranten,träten für deutsche Nationalität in die Schranke; und esmutz jeder wissen, daß, wo nassauische, hannoverische, kur-hessische, badische Landesherren oder schwäbische Reichs-unmittelbare zum Schwerte greisen, es nur um die Erhal-tung feudaler Privilegien und souveräner Sonderinteressensich handeln kann. Gegen den Welteroberer Napoleon I. für das zertretene Vaterland in Wut zu entbrennen, warnatürlich, und vor dem Gespenst des Sozialismus zurückzu-schaudern, war denkbar, aber sich von großen und kleinenStaatsstreichlern einen theoretischen Despotenhaß binnenvierundzwanzig Stunden auf dem Polizeiwege eintrichternzu lassen, ist abgeschmackt; in einen stupiden Franzosenhaßsich hineinzutollen, ist pöbelhaft; und mit Rohheit überItalien herzufallen, ist kannibalisch. Ja, seid nur recht un-vernünftig, rauflustig und lachet über die sentimentalen Ver-ehrer fremder Rechte und fremder Würde. So seid ihreuren Junkern recht, so brauchen sie euch, so entwöhnen sieeuch nicht nur selbst des Menschengefühls, in dem euereignes Freiheits- und Sittlichkeitsbedürfnis wurzelt, sostempeln sie euch auch für den Haß und die Verachtunganderer Nationen, so schüren und verewigen sie die bittereZwietracht der Völker, den finsteren Unrat, in dem ihreWurzel haftet. Was kann dem Kaiser in Wien will-kommener sein, als wenn dasNorw ai lectssetii« nicht mehrdem österreichischen Soldaten, sondern jedem Deutschen mit