— 190 —
Was hat man doch schnell dem bescheidenen herzoglichnassauischen Kammermitglied von der Regierungsbank herabgeantwortet, als es sich, wie die Zeitungen jüngst berichtet,zu fragen erkühnte, ob nicht für die Entwicklung der Bundes-einheit bei Gelegenheit dieses erhabenen Aufschwungs unddes in erlauchtem herzoglichem Gemüte erwachenden National-gefühls irgend Etwas geschehen möchte, dürfte, könnte?Unzeitige Frage das! Jetzt, wo das Vaterland in Gefahrschwebt, jetzt ist keine Zeit zu inneren „Zwistigkeiten", her-nach aber, wenn wir die Franzosen geschlagen und die hei-lige apostolische Majestät wieder zu Ansehen und Würdengebracht haben werden, dann, ja dann, nun das verstehtsich ja! — dann beginnt das große Bruderwerk, dannschlichten wir die inneren „Zwistigkeiten", und ein verehr-liches Kammermitglied wird beim Marmorschleifen oderWollzupfen im Zuchthause zu Diez an der Lahn über dieRechtzeitigkeit deutscher Bundesreformen nachdenken können.Und in Anbetracht dieser sonnenklaren Wahrheiten sind ge-treue Stände mit Stimmeneinhclligkeit zur Tagesordnungübergegangen, auf allen „Zwist " verzichtend. Solche ge-treue Gimpel wollen fremden Völkern ihre politische Weis-heit vordiktiren, über die Art, wie man sich auf klassischeManier frei macht, oder wollen uns weiß machen, sie haßtenin Louis Napoleon den Despoten! Was sie in ihm hassen,das ist der Popanz, welchen der gnädige Landesherr, umdem Kaiser und seinen Jesuiten beizuspringen, ihnen zumAnbellen vorhält, und während die Narren für ihre Natio-nalität und Unteilbarkeit zu brüllen glauben, lachen sichSerenissimus und die heiligen Patres ins Fäustchen, dennihr Acker wird wieder einmal vom Schweiß und Blut derdummen Teufel bestellt.
Es gibt fürwahr Thorheiten, welche eher das Mitleidals den Unwillen herausfordern. Solcher Art waren dieVertrauenstölpeleien von 1813 und 1848. Den Gelöb-