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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Zeit, diese läppischen Turniergesetze einzustecken, welche dieGesalbten des Herrn durch ihre Herolde ausposaunen lassen,um vorzuschreiben, wie man sie kavaliermäßig anzugreifenhabe absonderlich um deßwillen, daß auch sie von jeherso loyal zu Werke gegangen sind.

Also still einmal mit diesem Gefasel! Der gewöhn-lichste Menschenverstand muß begreifen, daß Italien nurdurch die sranzösche Hilfe das Habsburgische Joch abschüttelnkann; und wenn Deutschland nicht von österreichischen ge-krönten und ungekrönten Emissären und Stockjobbers indie Tollheit hineingeritten wäre, so würde nicht nur seinegesunde Vernunft ihnen Beifall zurufen, sondern die voll-kommenste Analogie des eignen Schicksals würde dem trans-alpinischen Einigungswerk aus vollem mitfühlenden Herzenentgegenjauchzen. Wie! die ihr seit einem halben Jahr-hundert unter dem Druck der Zerklüftung schmachtet undnach Einheit ringt, die ihr euch vergeblich nach Münze,Maß und Gewicht abquält, ihr fallt wie wilde Tiere überden Italiener her, der für die gleiche Sache mit gleichemRechte aufsteht! Ihr brüllt Arndtsche Lieder, wenn derMailänder fragt, ob Wien oder Lemberg sein Vaterlandsei? Ihr blinden Narren, ihr merkt nicht, daß man eucheinigen gelehrten strategischen Po- und Mincio-Quark unterdie Nase schmiert, damit ihr nicht den sauberen fürstlichenBraten riecht? Nicht am Po und nicht am Mincio ist dasBollwerk deutscher Größe, sondern in der endlichen Ver-wirklichung der zum Kinderspott gewordenen deutschen Ein-heit, und nicht in Mailand und Verona müsset ihr Herrensein, sondern bei Euch selbst daheim, um ungehindert dennebenbuhlerischen Mächten entgegentreten zu können. Javerhöhnt sie nur, nach Buol-Schauensteinschen Rezepten, dieEinheits- und Nationalbestrebungen der Italiener, damiteuch uach demselben Maße ausgemessen werde, und damitihr die Gebote eures ureignen Heils mit Füßen treten lernet.