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möchten, so wäre die deutsche Einheit längst aus dem Reicheder Arudt'schen Liederfantasie in das Reich der Wirklichkeithinausgeschritten; und sie ist es zum großen Teil nur des-halb nicht, weil Hilflosigkeit. Zaghaftigkeit und andere mitdiesen verwandte Charakterschwächen uns den Glauben unddie Zuflucht in die theoretische Propaganda als einzigen po-litischen Instinkt untergeschoben haben. Schläft Europa , soschlafen auch wir. Das ist dann freilich das Schlimmste.Fängt sichs aber irgendwo zu regen an, so geht bei unsalsobald der Wortschwall los, und das ist nicht viel besser.Wenn die Fürsten des deutschen Bundes alles uns Miß-fällige im Reich blos mit schönen Reden, mit Adressen anihre getreuen Unterthanen verteidigten, so begriffe ich, daßwir von Gegenreden und Gegenadressen in Fülle unsere Ei'lösung erwarteten; wenn z. B. ein König von Bayern sichder Herstellung eines einigen Deutschlands nie mit Gensdarmenund nur mit Gedichten widersetzt hätte, so würde ich be-greifen, daß man ihm mit Gegengewichten zu Leibe ginge.Aber mit Nichten! Mit seinen Gedichten ist er auf unsererSeite und für die Einheit, nur mit seinen prosaischenGensdarmen ist er einigermaßen dagegen und läßt dieDichter ins Loch sperren. Freilich haben aller Orten undZeiten nationale Bewegungen mit Rede und Schrist be-gonnen; aber Rede und Schrift mahnten zu Handlungen.Bei uns fordert eine Schrift die andere und eine Rede dieandere heraus. Der Ausschuß erläßt ein Manifest an dieNation, die Nation antwortet mit einem Manifest an denAusschuß; und wenn Alle unendliche Male feierlich sich ein-ander erklärt haben, daß sie vollständig mit einander ein-verstanden seien, so werden die nämlichen Redensarten siebenmal sieben Tage um die Feste von Jericho herumtrompetet;da aber die Zeiten der Wunder vorüber sind, so bleiben dieMauern stehen vor wie nach. Ist nun gar irgend ein kleinerSouverän so unschuldig, an diesen Gedaukenrevolutionen