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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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wägen sie's nicht ab gegen die vermeintlichen Großthaten.Zeigt hingegen ein freies Staatswesen, eben weil es frei ist,anch seine schwachen Seiten, so haben sie gleich das Wortder Verdammnis bereit.

Es giebt ein ungeheures Kapitel in der Politik, welchesich. wie ein bekanntes komisches Bild, überschreiben möchte:Was man sieht und was man nicht sieht." und erlauben esDeine Geduld, Zeit und Umstände, diese Unterhaltungenfortzusetzen, so verspreche ich Dir, besagtem Kapitel einen be-sonderen Tag zu widmen. Auch die Schäden, welche Dirbei den parlamentarischen Verfassungen in die Augenspringen, gehören, der Hauptsache nach, gauz in diesen Be-lang. Es wird wohl nie einem Menschen vergönnt sein,selbst mit Hilfe der gewissenhaftesten Forschung zu zeigen,wie viel tausend geheime Quellen des Lebens, des Glücksuud des Gedeihens mit jedem Rucke zu fließen beginnen,welcher eine der zahlreichen Fesseln sprengt, so ererbte oderneue Vorurteile um die Bewegung und Thätigkeit der Ein-zelnen geschmiedet haben. Noch weniger wird es möglichsein, die tausendfache Fortpflanzung von Tod und Erstickungzu verfolgen, welche sich unvermeidlich an jeden Akt derKnechtung und Hemmung anreihen. Die Natur des Vor-gangs selber widersetzt sich der Untersuchung, gerade durch dieunendliche Ausbreitung und Vertiefuug in die feinsten,untersten und zahllosesten Wurzeln und Keime des univer-sellen Werdens. Aber ein klares Anschauen des Prinzipsan sich muß schon zu einer lebendigen Ahnung der thatsäch-lichen Wahrheit führen, und hier ist abermals einer dervielen Fälle, in denen das wohlfeil geschmähte Prinzip zumhöchsten unentbehrlichsten Werte sich erhebt. Wirf nur einenBlick auf die Geschichte von Handel und Gewerbe und denWeg ihrer Entwicklung. Es ist nichts anderes als derKampf des richtig geahnten Prinzips der freien Bewegunggegen die augenfälligen Vorzüge der Beschränkung, in welche