sich andere als die zunächst Interessierten vergafft hatten.Noch immer haben wir nicht das Recht, zu lachen über jeneParfümeure, die den Apothekern das Recht bestritten, solcheKlystiere zu geben, welche vornehme Damen nicht um derGesundheit willen, sondern zur Erhaltung der guten Haut-farbe in Anspruch nahmen. Noch heute ist der Kampf derPostillone und der Fuhrmannsschenken gegen die Eisen-dahnen nicht ausgekämpft. Und wenn es glücklicherweisemöglich geworden ist, nachzurechnen, daß die Zahl derMenschenopfer, welche der Dampf und die Schienen imJahresdurchschnitt verschlingen, bei richtiger Abwägung derProportionen unendlich klein ist gegen die Hals- und Bein-brüche, welche die Fuhrwerke der guten Zeit aufs Gewissennahmen, jo wirst Du dagegen freilich niemals nachrechnenkönnen, wie geringe Opfer eine die Freiheit Aller unter AllerAugen beratende Staatsverfassnng erheischt, verglichen zu denLegionen von Seelen, welche ein von Stille und Finsternissich nährender Absolutismus zu ewigen Tode verdammt.Nachrechnen kannst Du es uicht, aber ahnen; abmessen auseinzelnen Beispielen und aus analogen Ersahrungen. Alleinein zweiter eigentümlicher Zug unserer Zeit, welche doch soviel vom industriellen Fortschritt durch die freie Bewegunggelernt haben könnte, hat gerade für den naheliegendenSchluß aufs politische Leben ihre Sinne abgestumpft. Esist dies das so gewaltig vorwiegende Bedürfnis nach Ruheund Ordnung. Ruhe und Ordnung sind die Stichworte,welche das Ideal der Freiheit aus den Herzen verdrängthaben. Es scheint beinahe, als hätte der Mechanismus, in-dem er sich zur ersten Macht der Gütererzeugung ausbildete,auch ganz und gar sich der Seelen bemächtigt. Ein reinmechanisches Vorbild der Ungestörtheit und Regelmäßigkeit,in welche das Leben der Gesellschaft eingeschraubt sein soll,ist als das ausschließliche Bedürfnis des Lebens anerkanntworden. Und wie ein gutes Prinzip segensreich wirkt, so
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