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ständigkeit aufkomme; und als wenn diese Anforderungnicht schon maßlos genug wäre, wird nun schließlichnoch von jener verlangt, sie solle über ihre eigene Zu-ständigkeit und Sphäre hinaus für anderwärts herrührendeStaatsbedürfnisfe Sorge tragen! Erlaubeu Sie, daß ich,ohne in Wiederholung zu verfallen, doch die drei Stnfendieser Unzulässigkeit iu drei Sätzen niederlege. Das Zoll-Parlament bildet ja uun einmal einen interessanten Ab-schnitt und Übergangsprozeß in unserer nationalen Ent-wicklung, und eS ist nicht verlorene Mühe, daß wir deut-lich in seiu Gefnge hineinschauen, so lange wir es ebennoch vor Augen haben.
Erster Satz: Die Rechte des Zoll-Parlaments sindzu klein.
Zweiter Satz: Die Pflichten des Zoll-Parlaments sindzu groß.
Dritter Satz: Trotzdem soll es noch über seine Pflichthinaus leisten.
Der erste Satz ist oft ausgeführt worden. Zunächstwelch ein grobes Mißverhältnis zwischen Anstreuguug undErfolg! Niemals ist verschwenderischer umgegangen wordenmit der Kraft und Zeit eines Volkes. Ich spreche nichtvom Nordeu, der für Reichstag und Zoll-Parlament zu-gleich wählt. Aber denken Sie an unsern Süden! AchtMillionen Menschen werden herausgefordert, mit dem ganzenAufgebot des allgemeinen Stimmrechts zu marschieren. Welch'ein Ausruhr, welch ein Verbrauch vou Gedanken, Zungen,Kehlen, Händen, Füßen, vou Leidenschaften und Pflicht-gefühl! Welch eine Entfesselung von Lebensgeistern allerArt, von Haß und von Liebe, von Glaube, von Urteil undVorurteil! Religion, Politik, Ehrgeiz, Intriguen Pflügenund wühlen den Boden jedes Wahlbezirks klaftertief monate-lang um und um; nebst den 1 700 000 Wühlern sind deren