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Dem ist nun nicht so. Schon Treitschkes wie immerpompöse Schreibweise durfte dafür bürgen, daß er nicht ge-meine Sache mit den Leuten mache, die es auf die Er-regung niedriger Leidenschaften abgesehen haben. ZumÜberfluß aber spricht er zu wiederholten Malen mit unver-haltenem Abscheu von dem Treiben, welches er selbst alszelotisch oder als roh und ekelhaft charakterisiert.
Wäre es mit der Form gethan, dieselbe könnte ge-nügen, alle Klagen, welche gegen den Verfasser laut werden,zurückzuweiseu. Aber leider hat er sich in der Sache einezugleich so einseitige nnd sich selbst widersprechende Auf-fassung zu Schulden kommen lassen, daß es nur Wenigengelingen wird, das Vertrauen in seinen guten Glauben zubewahren, und ganz gewiß hat sich die erste und unmittel-bare Wirkung seines Eingreifens als eine beklagenswerteerwiesen.
Herr von Treitschke stellt die krasse Behauptung auf,daß bei vieleu der Urteilsfähigsten für ausgemacht gelte:die Juden seien Deutschlands Unglück! Und da er selbstnicht für denkbar hält, sie wieder rechtlos zu stellen oderauszntreiben, so mußte er seine Aufgabe darin finden, dieGrundursache dieses angeblichen Unglücks zu prüfen, und,weil gewaltsame Heilmittel sich nicht bieten, auf besänftigendebedacht zu sein, auf Versöhnung, Verständigung, auf Über-windung vorhandener Schwierigkeiten. Er mußte, selbstwenn er noch so schlimm von den Juden denkt, den Anteilberücksichtigen, welchen der Fluch alter böser Überlieferung,das Erbe der vom blinden Glaubenseifer beherrschtenZeiten, an der Empfindungsweise des lebenden Geschlechtshat. Er mußte, denen, die aus der Aufstacheluug bestiali-scher Triebe ihr Gewerbe machen, entgegentretend, davorwarnen, hier für alte unreslektierte Mißgefühle nach neuenNechtsgründen zu suchen. Er konnte daran erinnern, wie