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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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gerade der religiöse Hader am Mark des deutschen Lebensso zerstörend alle die Jahrhunderte her gezehrt und unsereStaatsentwicklung hinter der unserer großen Nachbar-nationen zurückgehalten hat. Er konnte daran erinnern,daß wir mit dem, wenn auch aufgedruugeneu, Kulturkämpfedoch wieder die Erfahrung gemacht haben, wie jeder neueAusbruch der alten Streitigkeiten die Kluft zwischen Deut-schen und Deutschen erweitert und vertieft. Er kouute,ohne der Wahrheit Gewalt anzuthuu, sagen, daß die Handvoll Juden, eiue halbe Million auf dreiundvierzig Millionen,trotz all der lauten Rührigkeit, mit der sie sich bemerkbarmachen, im Großen und Ganzen wenig zu bedeuten vermöge,ja daß ihre guten Eigenschaften und niemand kann sieihnen abstreiten sich sehr wohl verwerten ließen, geradeum so mehr, je mehr ihr Ingenium vom germanischen ver-schieden wäre. Und hätte er mit solchem Mahnruf auchein Wort an die Juden verbunden, dies oder jenes imInteresse des guten Einvernehmens ihnen zugemutet, eswäre sicherlich auf günstigen Boden gefallen.

Nun schließt allerdings auch die Auslassung Treitschkesmit einer solchen Apostrophe. Aber leider steht dieselbe aufeiner ebenso willkürlichen als ungerechten Voraussetzung,und, was noch mehr zu bedauern, sie bildet den Schlußeiner Reihe grundloser Behauptungen, deren jede der beab-sichtigten Wirkung geradezu entgegenarbeitet. Herr vonTreitschke ruft den deutschen Juden zu, sie sollten gutedeutsche Patrioten werden. Er bestreitet ihnen also dieseEigenschaft, aber er bringt nichts herbei, womit er diesenschweren Vorwurf begründet. Er beruft sich hauptsächlichauf einige Äußeruugeu des Professors Grätz in Breslau ,des gelehrten Verfassers einer bändereichenGeschichte derJuden", und in einer neuerdiugs demselbeu Autor ge-widmete:? Polemik (Dezemberheft 1879 derPreußischen