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Jahrbücher") bringt er eine ganze Sammlung von Stellenans demselben Werke, die allerdings lauten, als hätte sieein Stöcker der Synagoge geschrieben. Was aber soll mitsolchen Extravaganzen eines Einzelnen bemiesen werden?Genügt das Buch eines Mannes, um daraus den Geisteiner großen Gesamtheit zn konstruieren? Erlaubt diestrenge historische Methode, welche nach Herrn von Treitschkedem Botaniker Schleiden in dessen Schrift über die wissen-schaftlichen Verdienste der Juden so gänzlich abgehen soll,mit Hilfe einer einzigen absonderlichen Erscheinung denGrundzug allgemeiner Zustände apodiktisch zu charakteri-sieren? Hütte der Anklüger auch nur mit einem Belegdarauf hingewiesen, daß die jüdischen Landsleute des Bres-lauer Professors mit dessen grimmigen Ausfällen sympathi-sieren; hätte er aus irgendwelcher Erfahrung zu meldengewußt, daß hier etwas mehr als die wunderliche Sinnes-art eines Einzelnen zutage tritt! Aber nichts von alleindem vernehmen wir, dagegen wohl, daß Herr von Treitschkedas Buch von Grätz im Sommer 1879 gelesen hat. Ja,so ist es. Die Lektüre eines Buches im letzten Sommerist das historische Material, mit dem solche Anklageschriftenverfaßt werden. Entfernen wir den Gedanken, die Spurensolcher Methode in anderen Sphären der Litteratur zu ver-folgen; wir könnten sonst, um eine Anzahl Stufen herab-steigend, auf das Geheimnis der Leute stoßen, welche gegendas „Milliardenland" vielgelesene Schriften in Umlaufsetzen.
Solche und die andern hier aufgehäuften Anklagen, dieauf ebenso schwachen Füßen stehen, müssen in deu Ange-griffenen die Vorstellung erregen, daß sie es auch inTreitschke mit einem jener Verfolger zu thun haben, welcheje nach Zeit nnd Umständen plausible Vorwände heraus-greifen, um für das eigene, zur zweiten Natur gewordene