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der Verfolger? Auch in England und Frankreich vollziehtsich die Verschmelzung nicht ohne Verdrießlichkeiten. D'Jsra-elis merkwürdige Laufbahn, der mächtige Einflnß der Roth-schild in Frankreich und vieles andere hat zeitweise da unddort wieder aus den Unterschied der Rassen die Aufmerk-samkeit hingelenkt. Aber nur ausnahmsweise hat ander-wärts die Polemik den niedrigen boshaften Ton angeschlagen,der ihr in Deutschland anhastet. Wer versöhnend wirkenwill, wie Herr von Treitschke es mit seiner Apostrophe ver-sucht, darf nicht einen Ruf ergehen lassen, der die ganzerckch- uud beutelustige Meute um ihn sammelt, darf nichtdem wüsten Treiben mit einem ganzen Schwall der bedenk-lichsten Stichworte zu Hilfe eilen. Dieses mit seiner aus-gesprochenen Absicht in Widerspruch stehende Verfahrenfindet freilich seine Erklärung darin, daß in ihm selbst dieinneren Antriebe einer gewissen Geistesrichtung stärker warenals der nicht zu bezweifelnde gute Vorsatz.
Vor allem steht er selbst unter der Herrschaft der erb-lichen Antipathie, und wo er Arzt sein will, ist er Patient.Dnrch alle Poreu seiues Wesens transspiriert die vorgefaßteStimmung, welche die deutscheu Juden als Fremdlinge an-sieht. Würde er il>nen sonst vorwerfen, daß hier und daJuden Goethe, Fichte und Luther oder deutsche Eigentüm-lichkeiten scharf getadelt haben? Weiß er nicht, daß Luther,Goethe, Fichte — und wer nicht? — von Deutschen aufsbitterste augegriffen worden sind?
War Nieolai, war Kotzebue , war der JudenhasserWolfgang Meuzel, waren alle jene „Philisterpfaffen",welche lange vor Borne durch ihre Polemik dein greisenGoethe das Leben zu verbittern suchten, etwa Juden?War der Judeuhasser Schopenhauer, der über Hegel »ud Fichte und die „Lobesassekuranzgesellschaften derdeutschen Professoren" endlose Ströme des Hasses und der