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Verachtung ausgosz, ein Jude? War der Bischof Ketteler,welcher erklärte, daß das deutsche Volk durch Luthers Re-formation das Gewissen eingebüßt habe, ein Jude? IstRichard Wagner, welcher nicht zugeben kann, daß FelixMendelssohn ein deutscher Komponist gewesen sei, ein Jude?Ist der Judenhasser Dühring, welcher einen Helmholtz anzu-schwärzen sucht, ein Jude? Leider, leider! ist die Gering-schätzung deutscher Dinge, die Herabwürdigung und Ver-folgung der besten deutschen Männer ein Charakterzug,welcher sprichwörtlich vorgeworfen wird
Der frommen deutschen Nation,Die sich erst recht erhaben fühlt,Wenn all ihr Würdiges ist verspielt.
(Goethe.)
Die herbe Kritik deutschen Wesens, deutscher Persön-lichkeiten einigen Juden besonders anzurechnen, beweist, daßman sie eben nur als Geduldete, die das Gastrecht ver-letzen, ansieht, und ganz folgerichtig hält ihnen Treitschkedieses Unrecht auch als besonderen Undank vor gegen dasLand, das „sie schütze und schirme". Solcher unmittel-baren Empfindung kam dann das politische Bedürfnis desAugenblicks entgegen, und für beide war die Gelegenheit,einander in die Hände zn arbeiten, eine sehr willkommene.
Der Aufsatz, an dessen Schluß die Judenfrage behandeltwird, richtet seine Spitze gegen den Liberalismus. Sindschon die Juden von jeher liberal gewesen, so ist insbeson-dere einer der hervorragendsten Führer jenes parlamen-tarischen Liberalismus, der bei Herrn von Treitschke ebenin Ungnade steht, ein Jude. Der Angriff gegen die Judenist nur eine Diversion im heutigen großen Feldzuge gegenden Liberalismus, und ohne Zweifel hat dieser Zusammen-hang das Seiinge dazu beigetragen, Herrn von Treitschke