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auf dies Gebiet zu führen. Er behauptet, die Erregunggegen die Jndcn sei so groß, daß bei der Breslauer WahlLaster ihr Opfer geworden sei. In Wahrheit aber ver-hält sich die Sache, wie jeder Kenner der lokalen Verhält-nisse weiß, umgekehrt. Laster wurde als der Mann deslinken Flügels der Nationalliberalen bekämpft, nnd an diejudenfeindlichen Traditionen wnrde nur appelliert, um dieGegnerschaft zu vermehren. Ein gut Teil des Zorns gegendie Juden kommt allerdings daher, daß sie liberal gesinntsind. Das müssen sie sich schon gefallen lassen. Sie habenin deutschen Parlamenten von jeher auf den Bänken derLinken gesessen. Nur zwei jüdische Abgeordnete frühererReichstage saßen auf der Rechten, Dr. Strousberg uudHerr von Rothschild , vermutlich, weil sie verzeihlicherweiseals Fürstlichkeiten der Finanz dies ihrer Stellung inner-halb der Aristokratie schuldig zu sein glaubten.
Und eudlich viel mächtiger noch als durch das momen-tane taktische Bedürfnis wird Herr von Treitschke durch denGrundzug seines ganzen seelischen Wesens in dies Treibenmit hineingezogen. ES gab immer nnd überall und esgiebt zur Zeit in Deutschland besonders viele Schwärmer,die den Feuereifer für ihr eigenes Ideal nicht wirksamerschüren zu können vermeinen, als indem sie alles anderegeringschätzen oder hassen. Gerade der Kultus der Natio-nalität trägt diese Versuchung mehr als jeder andere insich und artet leicht dahin auS, deu Haß gegen andereNationen znm Kennzeichen echter Gesinnung zn machen.Von diesem Haß gegen das Fremdartige jenseit der Grenzebis zum Haß gegen das, was sich etwa noch als fremdartigin der eigenen Heimat ausfindig machen läßt, ist nur einSchritt. Je mehr Haß, desto mehr Tugend! Wo derNationalhaß nach außen seine Schranke findet, wird derFeldzug nach innen eröffnet. Je enger der Zirkel der Be-