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keimer gezogen werden kann, desto reiner lodert die Flammeauf dem Altar. Trcitschke selbst kann nicht umhin, daranzu erinnern, daß die Judenverfolgungen von 1819 mit demTeutonismus zusammenhingen.
Von jeher haben die Versuche, Scheidungen im Innerneines Landes herzustellen, mit Vorliebe an die Rechte derGeburt angeknüpft. Vor Jahren tauchte in Nordamerika eine Partei auf, welche sich die der „Nativisten" nannte.Es war zur Zeit, als die bereits länger Angesiedeltenglaubten, dem Strom der Einwanderung Schwierigkeitenentgegensetzen zu müssen. Nur der auf amerikanischemBoden Geborene sollte das volle Bürgerrecht erwerbenkönnen. Je weniger Billigkeit und Vernunft einem Ver-langen zu Grunde liegt, desto mehr scheut es logische Er-örterung, destomehr zieht es vor, sich auf nackte Gewaltzu stützen. Daher nannten sich die Vertreter des Nativis-mus auch „L^iiov-iiotllrriAs^, d. h. Nichtswisser, Leute, dievon schwächlichen Betrachtungen des Rechtes und der Moralund von allem Denken und Wissen, woraus diese geschöpftwerden, nichts hören wollen; und um die „Nichtswisser"bildete sich eine Garde, welche man „üo-vväiks" nannte,wüste Gesellen, welche kein Argument als das des Revol-vers und des Totschlägers anerkennen.
Ist es nicht eine Art von Nativismus, der jetzt gegendie deutschen Juden gleich als neue Ankömmlinge gepredigtwird? Sonderbar! In derselben Abhandlung, derenSchluß der Exkurs gegen die Juden bildet, findet Herrvon Treitschke auch Gelegenheit, sich mißbilligend gegendas falsche Idol der „Philanthropie" und „Bildung" undmit Behagen über die Agitation zu Gunsten der Prügelauszusprechen.
Doch mit dem Nativismns im streng amerikanischen