Sinne ist gegen die deutschen Juden nichts anzusaugen.Auf der deutschen Scholle sitzen sie, seitdem Deutschland indie Geschichte eingetreten ist. Ihre Einwanderung amRhein und an der Donau sührt auf die Römerzeiten undden Beginn der christlichen Aera zurück, und selbst dieKomik des mauschelnden Kauderwelsch beruht teilweise dar-auf, daß es alt- und mittelhochdeutsche Worte am Lebenerhalten hat, wie denn auch die uns etwas grotesk klingen-den Tiervornamen Bär, Wolf, Hirsch n. s. w. im christlichdeutscheu Mittelalter eingebürgert waren. Die Absonderungnahm ihren schlimmen Charakter mit den grausamen Ver-folgungen, den Plündereien und Schlächtereien an, welcheseit den Kreuzzügeu um sich griffen, nachdem der einmalentzündete fromme Eifer feine Nutzanwendung auch auf dieHäuser der Juden gefunden hatte.
So groß auch die Rolle ist, welche Stammesgemein-schaft im Ringen der Nationalitäten sich heute zuteilt, sowird sich doch niemand zu der Absurdität verirren, daß dieheute bestehenden nationalen Großstaaten nach dem Grund-satz absoluter Rasseneinheit Purifiziert werden sollten. Allezivilisierten Nationen sind vielmehr bekanntlich aus ver-schiedeneu Volksstämmeu gebildet und haben gerade insolcher Assimilation ihre Stärke bekundet und gefunden.Nun gar aber das Kriegsgeschrei gegen die „Semiten" da-tiert, wie das Wort selbst andeutet, erst aus allerneuesterZeit. Es ist noch nicht lange her, daß dieser Ausdruck iuder Sprache der landläufigen Bildung eingebürgert ist, daßdie Popularisieruug der linguistischen Studien und diedaraus hervorgegangene Bekanntschaft mit der Einteilungder Idiome das von den meisten kaum verstandene Wortin Umlauf gesetzt hat. Ganz bezeichnend für den Aus-gangspunkt der heutigen Bewegung gegen die Juden holtesie ihr Stichwort aus den Abfällen der physiologischen und