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bei uns. In Paris leben 35 000 Juden, nicht spanischeroder portugiesischer, sondern zum allergrößten Teil deutscherHerkunft; und obschon diejenige Gruppe, welche man dortgemeinhin als „Lauchs g,11srQg.ii6<z" bezeichnet, ihre finan-ziellen Erfolge nicht unter den Scheffel stellt, ist sie trotzdes erschwerenden Umstandes, daß deutsch und jüdisch fürdiesen Fall sich in der Auffassung der Menge deckt, vonpöbelhaften Angriffen in der Presse und in Versammlungennie behelligt worden.
Leider hat die Wahrnehmung solcher Verschiedenheitdazu beigetragen, daß wertvolle Bestandteile der elsaß-lothringischen Bevölkerung mit besonderer Verbissenheit demdeutschen Regiment aus dem Wege gehen zu müssen geglaubthaben. Nicht die „hosenverkaufenden Jünglinge" beeiltensich auszuwandern; denn die Leute des niedern Gewerbesfühlen Kränkungen, welche ja gerade auf die Bessern ge-münzt sind, weniger lebhaft; sondern die Hochofeubesitzervon der Mosel und die Tuchfabrikanten von Bischweiler zogen ab, uud der jüdisch-solide Privatbetrieb ging aufchristlich-deutsche Gründungen über, die es schwerlich anSolidität ihm gleichgethan haben.
Da, wo sich Treitschkes Betrachtung von der Kenn-zeichnung einzelner, sehr wenig erwiesener Thatsachen zuhöhern Gesichtspunkten aufschwingt, sind es insbesonderezwei Einwürfe, welche unsere Aufmerksamkeit zu fesseln ver-dienen, weil sie einerseits besonders geeignet sind, dasUrteil zu bestechen, andererseits die Wahrheit in un-begreiflicher Weise verkennen. Die reine germanische Kulturder Jahrtausende soll durch das Eindringen des jüdischenElements bedroht sein, und auch die Sorge um die Er-haltung des christlichen Glaubens soll diesem Eindringennicht gleichgiltig zusehen dürfen.