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scheinungen sie wieder daran erinnern, daß sie selbst zwarmit allen Fasern an Deutschland hängen, daß aber nichtalle gebildeten Deutschen christlicher Abstammung diese Em-pfindung ihnen erwidern. Ist doch selbst die Rednerbühnedes Deutschen Reichstages nicht freigeblieben von der Ver-unreinigung mit solchen häßlichen Expektorationen! Vielweniger scharf ist der Gegensatz unter den Ungebildetenund am wenigsten auf dem Lande, wo im Ganzen derchristliche Bauer mit seinem jüdischen Nachbar, der sichplagt und darbt wie er, auf traulichem, harmlosem Fußeverkehrt.
Herr von Treitschke bezeichnet den Gegensatz selbst alseinen Peinigenden. Und wahrlich, wir hätten solcher Peini-gungen auch ohnehin genug, weil es eben der Fluchdeutscher Nation ist, sich nach allen Richtungen hin gegen-seitig zu scheiden und mit den Scheidungen zu peinigen.Wenn man doch von „unserm Unglück" sprechen wollte, sosollte man bei diesem Kapitel stehen bleiben und, statt auchdiese alte Art der Selbstzerfleischung wieder zu erneuern,alles thun, ihr entgegenzuwirken. Dabei könnten ganz füg-lich auch die Juden selbst sich besinnen, wie sie ihrerseitsdazu beitragen möchten. Fällt es ihnen auch nicht entferntein, zu meinen, wie Herr von Treitschke es ihnen nahelegt, daß sie nur geschützt und geschirmt seien, glauben sievollständig mit dem gleichen Recht da zu seiu für dasLand, in dem sie geboren sind, für das sie bluten undsterben müssen und wollen wie alle andern, glauben sie sichmoralisch, rechtlich und intellektuell ebenso gut zu Hausewie jeder andere Bewohner des Landes, so müssen sie dochwohl oder übel mit der Sinnesweise ihrer Landsleute rechnen.Und darin hat ihnen Herr von Treitschke einen Dienst ge-leistet, daß er viele, die unter dem Eindruck der letzten Jahr-zehnte sich Illusionen hingegeben, auf das wahre Sachver-