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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
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Schließlich aber erkenne er eben in den Widerlegungenselbst, die ihm zu teil werden, ein untrügliches Zeichen fürdie verkehrte Richtung, nach welcher er die Dinge hindrängt!Auch diejenigen fühlen sich zum Widerspruch herausgefordert,die lange Zeit in dem schönen Wahn gelebt hatten, esbliebe Wichtigeres zu thun, als sich um diesen alten Haderzu kümmern; Gesetz und Sitte würden ihn in Frieden be-gleichen, und nur wo und soweit ein besonderes religiösesBedürfnis das Bewußtsein eines Unterschiedes aufnötigt,möge dasselbe lebendig bleiben. Aber die ungerechten undverderblichen Angriffe erinnern auch solche wieder an dieseGegensätze, welche nur noch durch die Bande der Pietätmit dem Judentum zusammenhängen. Ein wackerer Mann,Dr. Paulus Cassel, Prediger an der Christuskirche zu Berlin ,fühlt sich als Bruder der Verfolgten, legt im NamenChristi und der Liebe seinen kernigen Protest ein gegenden Appell an den Rassenhaß. Und manch einer, der sichzwar nicht für einen guten Christen, aber für einen gutenDeutscheu hält, wird von Ehr- und Pflichtgefühl hinabge-zogen in das Kampfgebiet, dem er im Bewußtsein seinerinnern Freiheit und im Glauben an sein verjüngtes Vater-land für immer den Rücken kehren zu dürfen gehofft, aller-dings vorerst wieder einmal vergeblich gehofft hatte.