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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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seine Sorge hat, gesellt sich der Trost, daß die unerschöpf-lichen Hilfsquellen einer furchtlose» Erfindungskraft morgenschon Rat schaffen werden gegen die Verlegenheiten, welchedas Gestern dem Heute bereitet haben möchte.

Darum ist bei Bismarcks Unternehmungen auch denen,welchen sie jeweils am meisten willkommen sind, immeretwas unheimlich zu Mute. In dem Moment, da sie zumGastmahle erscheinen, gewahren sie noch das Gedeck deseben verschwundenen Vorgängers, und mitten in der Festes-freude beschleicht sie der Gedanke, ob nicht vor der Thüredraußen einer warte, der demnächst ihren Platz besetzenwerde.

So wie sie hier geschildert ist, war die Politik Bismarcksvon der ersten Stunde bis auf den heutigen Tag, so vorallem verfuhr sie, als es 1866 und 1871 galt, die Handan die Umgestaltung des deutschen Gesamtstaates zu legen.Je weniger er am Alten zu rütteln brauchte, desto lieberwar es ihm. Ja, so viel schnörkelhaften und schwerfälligenPlunder er aus dem alten Bundesinventar in die neueOrdnung mit herübernehmen konnte, so viel Gewinn mochtees ihm scheinen, um durch die diplomatische Schouungdynastischer Eigenlieben den Weg nach seinem großen patrio-tischen Ziele von kleinen aber unbequemen Hindernissenfrei zu halten. Mainlinie, bairische Reservatrechte mit derbarocken Itio in?artss, würtembergische, badische Sonder-rechte, klimperkleine Landeshoheiten, Reichsland in nebel-haftem Staatsgewande, alles vortrefflich, je bunter, je besser,nur doktrinäre Narren verlangen Einheit und Gleichmaß.Eines allein ist wichtig: ein möglichst großes Heer, einOberbefehl, eine leitende Hand, zu all' dem das nötige Geldund damit Basta!

Weil aber zu den großen Umwälzungen auch die wohl-gewürdigte Kraft der großen Volksströmung nicht entbehrt