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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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einein berühmten Ausspruch verurteilt sind, auch die Folgehaben sollte, daß die ganze innere Entwicklung dem einenBedürfnis nach möglichst großer, möglichst imponierenderMacht kritiklos untergeordnet würde; wenn wir nicht bloßdie Last einer fünfzigjährigen Rüstung tragen, sondern auchein halbes Jahrhundert lang die Aufgaben der Kultur indas Belieben einer Diktatur stellen sollten, so würden wirdamit im Innern mehr zerstören, als wir nach außen ver-teidigen, wir würden um des äußeren Friedens willen deninneren Krieg gegen uns selbst führen, und auf unser ge-samtes öffentliches Leben würde jener alte Spruch zutreffen,der da warnt, nicht in der Sorge um das Dasein dashinzugeben, was allein dem Dasein Wert verleiht: xrvxtsi-vitam vivsnäi xsräsi'k vauss-s. Keine Begeisterung aberund keine Dankbarkeit berechtigt zu diesem Verzichte. Keinenoch so geräuschvolle Rhetorik soll vergessen lassen, daß diePolitik des Krieges und Sieges schließlich doch nur denBeruf hat, den Staat zu schaffen und zu erhalten, derdurch seine glückliche Ordnung das Lebensglück seiner Be-wohner schirmt und fördert. Selbst die äußere Stärke,die Wehrkraft, der Zusammenhalt sind nicht dauerhaftgesichert ohne wohldurchdachte, dem Geist der Zeit ent-sprechende Einrichtungen, und die Art ihrer Gestaltung istmit nichten so gleichgiltig, daß auf ihr So oder Andersdas dem großen Kanzler geläufige Bild jener an ihrenbeiden Enden vollständig gleichgeformten Fleischware Paßte.

Den Grundgedanken des im Jahre 1866 zwischenBismarck und den Liberalen geschlossenen Friedens bildetedas Zugeständnis, daß der Zielpunkt der Bismarck'schenPolitik, weil er sich absichtlich verhüllt hatte, Gegenstandirrtümlicher Antipathie geworden war. Erst nachträglichtrat zu Tage, daß es sich nicht darum gehandelt hatte, diepreußischen Angelegenheiten im Innern durch neue Freihcits-