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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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beschränkungen nach rückwärts zu treiben, sondern dendeutschen Staat ins Leben zu rufen. Die Indemnitätsollte bezeugen, daß man den großen Reformator fälschlichfür einen kleinen Reaktionär gehalten hatte; und der neu-geschlossene Bund wurde von des Kanzlers Seite anerkanntund damit besiegelt, daß er das Feld der inneren Gesetz-gebung im Geist der Zeit zn bestellen denen überließ, welcheihm die Indemnität erteilt hatten.

So ward von Anfang an dieses Gebiet des innerenstaatlichen Lebens ganz natürlich den aus der höheren Ver-waltung, vorzugsweise preußischer Tradition, aus der Volks-vertretung, Wissenschaft und Publizistik hervorgegangenenPolitikern zugeteilt, und in der aufsteigenden Periode schloßman sich von beiden Seiten zusammen. Jeder ließ denAndern an seinem Platze gewähren, und kam man einanderhie oder da ins Gehege, so machte man sich nach mehroder weniger langen Reibungen gütliche Zugeständnisse.In der gehobenen Stimmung der schöpferischen Jahre bliebauch der nach außen gewandte Realismus nicht ohne Em-pfindung für die Unentbehrlichkeit der edlen inneren Lebens-kräfte. Und welche unbegrenzte Anerkennung wiederumzollte der ideale Draug dem Mann der That, ohne den nachmenschlicher Berechnung niemals der Anfang gelungen wäre!

Aber es kamen andere Zeiten. Immer häufiger undimmer schärfer stellten sich die Reibuugeu ein auf deminneren Gebiete, welches bis dahin der Kanzler seinenMitarbeitern in der Verwaltung und seinen parlamentarischenAnhängern überlassen hatte. Nicht die ersten, wohl aberdie ersten starken Symptome zeigten sich bei der Novellezum Strafgesetzbuch. Mit Delbrücks Entlassung, im Früh-jahr 1876*), konnte die ganze Wendung als vollzogen

In dieselbe Zeit fällt ein sehr bezeichnender Vorgang, über welchensich der konservative Herr v. Hcydebrand und v. d. Lasa auf dem Partei-Ludwig BmnbergcrS Ges. Schrislcn, V. g